Triponez Pierre · Nationalrat · 2001-11-28
Triponez Pierre · Nationalrat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2001-11-28
Wortprotokoll
Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz wollen der Bundesrat und die vorberatende Kommission, wie dies in Artikel 3 eindrücklich stipuliert wird, ein Berufsbildungssystem fördern, das neben der individuellen Entfaltung und Stärkung der Arbeitsmarktfähigkeit des Einzelnen auch die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe insgesamt steigern will. Ich begrüsse diese Formulierung ausdrücklich, und ich erachte sie für unsere Wirtschaft als unabdingbar. Gut ausgebildeter Berufsnachwuchs ist ein wesentlicher Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe zu erhalten und zu steigern. Es ist deshalb auch richtig, dass die öffentliche Hand ihren Beitrag leisten will, wie sie dies übrigens auch in der Vergangenheit getan hat.
Mit meinem Antrag möchte ich das keineswegs infrage stellen, sondern noch einen weiteren Aspekt einbringen, der meines Erachtens auch hierher gehört, nämlich die internationale Dimension. Mit meinem Antrag und - ich möchte das hier betonen - auch mit sämtlichen folgenden Anträgen will ich in keiner Art und Weise den in der Eintretensdebatte mehrfach erwähnten Kompromiss gefährden, dem ich im Übrigen voll und ganz zustimme und den ich sogar zu schmieden mitgeholfen habe, ganz im Gegenteil: Ich möchte diesen Kompromiss noch festigen. Die kritischen Bemerkungen wegen meinen verschiedenen Einzelanträgen, die gestern an diesem Pult geäussert worden sind, muss ich deshalb zurückweisen. Als Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, in welchem immerhin 250 Branchen und Betriebe zusammengefasst sind, in denen 70 Prozent all unserer Lehrlinge ausgebildet werden, muss ich einige Anträge stellen dürfen, ohne mir den Vorwurf zuzuziehen, ich stelle die - ich betone es nochmals - hervorragende Arbeit der vorberatenden Kommission oder sogar den Kompromiss infrage.
Ich schlage also eine Änderung von Artikel 3 Buchstabe b vor, und zwar eine Ergänzung, nämlich die Worte "und sich auch international bewährt". Die Berufsbildung und die Berufsausbildung haben schon bisher an den Landesgrenzen nicht Halt gemacht, und die kommende Freizügigkeit wird diesen Trend noch verstärken. Unser Berufsbildungssystem muss sich deshalb auch international bewähren. Dies sollte auch in der Zielsetzung des Gesetzestextes zum Ausdruck kommen.
Sie alle kennen die internationalen Berufswettbewerbe, die so genannten IBW, an denen junge Schweizer Berufsleute seit 50 Jahren regelmässig und mit viel Erfolg teilnehmen. 1997 war der Austragungsort in der Schweiz, in diesem Jahr beispielsweise in Südkorea, von wo ein grosses Schweizer Team mit grossem Erfolg und vielen Auszeichnungen wieder zurückgekehrt ist.
Im Jahre 2003 werden diese Meisterschaften wieder in der Schweiz stattfinden. Wir können unserem Schweizer Publikum, aber auch den voraussichtlich etwa 30 bis 35 anderen Teilnehmerländern unser Berufsbildungssystem präsentieren. Dies ist also eine gute Gelegenheit, das Image der Berufslehre und generell die Wettbewerbsfähigkeit unseres Systems auch international unter Beweis zu stellen. Bund und Kantone haben diese Meisterschaften bisher unterstützt. Sie sind in der geltenden Berufsbildungsverordnung sogar explizit erwähnt. Der vorliegende Gesetzentwurf geht auf diese internationale Dimension nirgends ein. Das stört mich eben.
Ich bitte Sie deshalb, diesem Antrag, der den Kompromiss nirgends tangiert, der aber zur Stärkung unseres Berufsbildungssystems beiträgt, im Interesse unseres beruflichen Nachwuchses liegt und die Motivation unserer Jugendlichen noch steigern wird, zuzustimmen.