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Fehr Jacqueline · Nationalrat · 2013-09-25

Fehr Jacqueline · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2013-09-25

Wortprotokoll

Die Schweiz ist in hohem Masse von Pflegefachleuten aus dem Ausland abhängig. In der Physiotherapie müssen jedes Jahr mindestens 300 ausgebildete Fachleute aus dem Ausland in die Schweiz kommen, bei der Pflege sind es vierstellige Zahlen. Besonders dramatisch ist die Situation in der Alterspflege. Immer mehr Pflegeheime haben mit Personalengpässen zu kämpfen, und wer nicht das Geld hat, seine Eltern in einer Seniorenresidenz in guten Händen zu wissen, kämpft wohl oft mit einem unguten Gefühl beim Gedanken an die Qualität der Pflege. Die Reaktion darauf: Viele suchen sich für sich oder für ihre Angehörigen eine private Pflegeperson, meist aus osteuropäischen Ländern. Diese Pflegepersonen leben dann 24 Stunden mit der zu pflegenden Person zusammen, oft für einen "gschämig" kleinen Lohn.

Die Abhängigkeit von ausländischen Fachkräften ist in vielerlei Hinsicht riskant. Was machen wir, wenn die Nachbarländer ihre Bedingungen ändern und es plötzlich wieder attraktiv ist, in Deutschland oder in Frankreich zu bleiben? Die Statistiken zeigen, dass wir nicht damit rechnen können, dass immer mehr Fachleute aus sprachverwandten Ländern kommen. Ist es ethisch überhaupt zu verantworten, dass das reiche Land Schweiz zu wenig Fachleute ausbildet und dann fertig ausgebildete Fachleute auf dem internationalen Arbeitsmarkt sucht?

Der Fachkräftemangel im Pflegebereich ist hausgemacht. Wir haben es in den letzten Jahren verpasst, die Kantone und die Institutionen zu verpflichten, genügend Nachwuchs auszubilden. Wir haben es verpasst, die Bedingungen dieser sehr belastenden Arbeit so zu verbessern, dass die Gesundheitsberufe bei den jungen Menschen konkurrenzfähig sind. Wir haben es auch verpasst, die Löhne und Arbeitszeiten den effektiven Belastungen anzupassen. Insbesondere haben wir es verpasst, die Kinderbetreuung und die Schule so zu organisieren, dass auch eine Frau, die Mutter wird, mit einem einigermassen vernünftigen Pensum weiterarbeiten kann.

Nun hat der Bundesrat zu handeln begonnen - endlich, ist man versucht zu sagen. Er hat eine Fachkräfte-Initiative gestartet, mit der er insbesondere die medizinisch-therapeutischen Berufe wieder attraktiver machen will. Er verweist in seiner Stellungnahme zu meinem Postulat darauf, dass dazu eine enge Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Institutionen nötig sei. Dem ist nicht zu widersprechen. Doch wo bleiben die Resultate? Gesprochen wurde über dieses Thema ja schon so oft.

Ich bitte deshalb den Bundesrat, etwas detaillierter auszuführen, was die bisherigen Bemühungen gebracht haben, welche Schlüsse er daraus zieht und wie er weiter vorgehen will. Ich möchte ihn auch bitten darzulegen, inwieweit die Fachkräfte-Initiative mit einer Strategie verknüpft ist, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im ganzen Land und für alle Einkommensschichten zu gewährleisten. Ich werde es von den Ausführungen des Bundesrates abhängig machen, ob ich den Vorstoss zurückziehe.

Am Ziel sind wir noch lange nicht. Die Abhängigkeit der Schweiz von ausländischen Fachkräften ist nach wie vor sehr gross, und das ist weder im Interesse der Schweiz noch im Interesse jener Länder, die dadurch ihre ausgebildeten Fachleute verlieren.

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