Galli Remo · Nationalrat · 2001-12-03
Galli Remo · Nationalrat · Bern · Christlichdemokratische Fraktion · 2001-12-03
Wortprotokoll
Eine Vorbemerkung: Die Thematik passt zu mir in meinem jetzigen Grippezustand. Wenn ich denke, dass ich letzte Woche keinen Ruheraum fand und der Weibel ins erste Untergeschoss gehen musste, um mir liebenswürdigerweise ein Mittel zu finden, muss ich sagen, dass die Pflegeversorgung hier im Hause nicht gewährleistet ist. [PAGE 1650]
Für das Gesundheitswesen sind verschiedene Player wie der Staat, die Spitäler und Kliniken, die Versicherungen, die Ärzte, aber auch das Pflegepersonal verantwortlich. Dessen pflegerische, psychologische und therapeutische Fähigkeiten sind, wenn sie optimal eingesetzt werden, heilungs- und gesundheitsförderlich und somit letztlich auch Kosten sparend. Obwohl das Spitalwesen und die Pflege in der Umsetzung Sache des Kantons sind, muss sich der Bund heute dem Bereich Pflege mehr verpflichten. Hier stösst die Motion Joder in die richtige Richtung und lässt noch Spielraum offen. Die Motion strebt auch keinen Sonderfall Schweiz an. Die Thematik "Pflegende und Hebammen - ein Plus für die Gesundheit" hat auch die WHO-Ministerkonferenz in München letztes Jahr behandelt. Dies wurde von der Schweiz aufgenommen.
Warum wollen wir dies nicht in Richtung der Zielsetzung der Motion Joder umsetzen? Definitionen, Ziele und Anforderungen an die Pflege dürfen sicher einmal umfassender angeschaut und legiferiert werden. Der Pflegeberuf ist ein massgebender Teil im Gesundheitswesen und sollte wie der Hebammenberuf in den Katalog der Leistungserbringer aufgenommen werden können. Herr Raggenbass, in welcher Form dies geschehen soll, darüber lässt sich diskutieren. Aber wie bei den Hebammen sind die Kompetenzen der Kantone nicht geschmälert, wenn wir das tun. Die Berücksichtigung der Pflegeberufe hat auch eine Signalwirkung für uns, für die Kantone und bedeutet eine bitter nötige Attraktivitätssteigerung der Pflegeberufe. Der zunehmende Mangel an Pflegerinnen kann für die Kranken zu einem Risiko werden. Anders gesagt: Hier entwickelt sich ein nationaler Notstand. Die ärztliche Betreuung und die Pflege - nicht nur der Einbezug der Hebammen - garantieren unsere Gesundheit, den Umgang mit Krankheiten. Die Dominanz der Ärzte wird auch bei den WHO-Beschlüssen kritisiert.
Es wäre falsch, die Pflegeberufe so pflegeleicht abzuhandeln, wie es der Bundesrat in der Stellungnahme tut. Der Hinweis auf das Berufsbildungsgesetz kann da doch nicht genügen. Die Stellungnahme des Bundesrates war für mich kein Trostpflaster. Deshalb meine Schlussfolgerung: Die Motion Joder ermöglicht eine vertiefte Diskussion, eine pflegegerechte Auseinandersetzung mit all den Pflegern und Pflegerinnen und ihren Berufen in Gesundheits- und Krankenpflege.
Mit der Überweisung der Motion nehmen wir auch den Bundesrat und uns Politiker und Politikerinnen in die "Pflege".