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Bezzola Duri · Nationalrat · 2000-03-07

Bezzola Duri · Nationalrat · Graubünden · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2000-03-07

Wortprotokoll

Ich finde es gut, dass wir kurz vor Ablauf der Winter-Rennsaison noch kurz Zeit haben, über Spitzensport, Wintersport, Schneesport zu sprechen. Die Motion des Ständerates verlangt einen Bundesbeitrag an bestehende Sportmittelschulen; die Minderheit I steht hinter der Idee und beantragt die Überweisung an den Bundesrat. Sie tut dies, ohne die Augen vor gewissen Mängeln im Motionstext zu verschliessen. Wir anerkennen den Handlungsbedarf; die bestehenden Sportmittelschulen sind in Bedrängnis, sie haben zum Teil finanzielle Probleme, weil sie die ausserordentlichen Belastungen wie die Beschäftigung von Trainern, das Bereitstellen der Infrastruktur, Material, technische Betreuung usw. unterschätzt haben. Sie benötigen Unterstützung, damit die jahrelange Aufbauarbeit, das Engagement der Trainer, Eltern, Jugendlichen nicht vergebens war.

Wir sind ein Alpenland, der Winter - der Wintersport, der Wintertourismus - hat uns bekannt gemacht. Marie-Therese Nadig, Bernhard Russi, Franz Heinzer, Pirmin Zurbriggen, Erika Hess usw. waren perfekte Botschafter für die Schweiz: erfolgreich, bescheiden, sympathisch. Von diesem Label hat der Tourismus, hat die Wirtschaft, hat die Marke Schweiz profitiert. Eine Skination braucht sportliche Aushängeschilder. Sie machen ein Alpenland attraktiv - attraktiv als Reiseland und als Austragungsort von sportlichen Anlässen. Wieso können wir uns nicht entschliessen, den Spitzensport wie andere Länder staatlich zu unterstützen und damit den Nachwuchs zu fördern?

Was ist daran so anrüchig? Das Anrüchige daran ist, den Erfolg offiziell zu wollen, zu planen und darauf hinzuarbeiten. Meine Generation hat damit Mühe. Wir haben ein verkrampftes Verhältnis zu Erfolg und Leistung. Die junge Generation ist da viel lockerer; sie steht offen zu ihren Ambitionen, sie will den Erfolg und ist bereit, alles dafür zu geben.

Die Motion hat zum Teil berechtigte Kritik ausgelöst. Einmal ist die einseitige Unterstützung des alpinen Skirennsportes in der Tat unglücklich. Bei der Erarbeitung des Gesetzentwurfes wäre es deshalb sinnvoll, zum Beispiel eine Erweiterung um Schneesportarten wie alpin, nordisch und Snowboard vorzunehmen. Die zweite Kritik betrifft die Frage, welche Mittelschulen gefördert werden sollen. Ich lege meine Interessenbindung offen: Ich bin Präsident einer Mittelschule im Unterengadin, die seit fünf Jahren eine Sportklasse führt und bereits Weltmeister, Schweizer Meisterinnen und Schweizer Meister hervorgebracht hat - bis heute ohne Unterstützung.

Welche Schulen sollen gefördert werden? Ich bin der Meinung, es sollen Schulen mit Leistungsausweis gefördert werden, die von den Sportverbänden anerkannt werden. Zur weiteren Kritik, es würden nur elitäre Jugendliche ausgebildet: Ich kenne vor allem die Mittelschulen in Ftan und Davos am besten, diese Mittelschulen bilden einen wesentlichen Teil der regionalen Trainingsstützpunkte. In der Praxis funktionieren diese Stützpunkte nur in enger Zusammenarbeit mit den Mittelschulen. Alle Jugendlichen - Lehrlinge, Realschüler, Sekundarschüler und Mittelschüler - haben die Möglichkeit, die Anlagen zu benützen.

Spitzensport hat durchaus auch mit Intelligenz zu tun. Spitzensport, wie er heute betrieben wird, ist anspruchsvoll. Die verschiedenen Trainingselemente, das Wissen über den eigenen Körper, die Ernährung und die mentale Bereitschaft erfordern vernetztes Denken.

Der Bund soll nur Breitensport und keinen Spitzensport fördern - das hört man immer wieder. Breitensport, Jugendsport und Seniorensport können nur gefördert werden, wenn der Spitzensport Breitenwirkung entwickelt. Erfolgreiche Spitzensportlerinnen und Spitzensportler animieren die Leute dazu, selber sportlich aktiv zu werden.

In der Schweiz fehlt es in Sachen Sportförderung an allen Ecken und Enden. Ich unterstütze deshalb die Idee eines Gesamtkonzeptes für Sportförderung. Nur befürchte ich, dass bis zur Umsetzung Jahre ins Land gehen werden. Wir müssen heute Massnahmen zugunsten des Nachwuchses und der Jugend einleiten.

Geben wir den jungen Athletinnen und Athleten ein positives, konkretes Signal, und überweisen wir die vorliegende Motion!