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Glättli Balthasar · Nationalrat · 2015-06-03

Glättli Balthasar · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2015-06-03

Wortprotokoll

Nun haben wir Stunden über Stunden gesprochen - über das Geld. Geld ist wichtig. Würden 1,5 Milliarden Franken fehlen, und zwar für Bildung, Forschung, Landwirtschaft oder - Ihnen sage ich es - für die Landesverteidigung, dann würden Sie das sicher nicht toll finden. Als Grüner sage ich Ihnen aber, dass es noch andere Werte, noch ein anderes Kapital gibt, zu dem wir Sorge tragen müssen: Unsere Umwelt ist dieses Kapital. Dieses Kapital ist es, durch das wir Lebensgrundlagen in der Welt wie in der Schweiz haben, die es uns ermöglichen, in Zukunft überhaupt irgendetwas zu erwirtschaften und uns auf irgendeine Art und Weise von A nach B fortzubewegen, sei es mit sanfter Mobilität, mit dem öffentlichen Verkehr - wie wir Grünen es wollen -, sei es mit dem Auto oder mit dem Flugzeug.

Der Kampf gegen die Klimakatastrophe, der wir uns ausliefern, wenn wir einfach blind weitermachen wie bisher, ist nicht einfach ein "pet project", ein Lieblingsprojektchen der Grünen. Vielmehr ist diese Katastrophe eine wissenschaftlich erwiesene Realität. Wir wissen, dass 80 Prozent der bekannten Erdölvorräte im Boden bleiben müssen, damit sich unser Klima nicht so erwärmt, dass dieser Planet für viele Menschen nicht mehr bewohnbar wird und Katastrophen uns ganz andere Flüchtlingswellen bringen werden. Wir wissen, dass gleich ganze Länder, die an Küsten liegen - im Trikont oder in Europa -, in den Fluten versinken werden.

Sprechen wir - mein Gott! - vielleicht auch mal davon, dass die Schweiz etwas Richtiges macht, wenn sie auf eine Verlagerung von der Strasse auf die Schiene setzt. Die Schweiz hat etwas Richtiges gemacht, als sie mit 62 Prozent Jastimmen der Fabi-Vorlage zugestimmt und damit gesagt hat, dass sie den öffentlichen Verkehr fördern wolle, wobei sie natürlich nicht das Ziel verfolgt, parallel dazu auch noch den Strassenverkehr ausbauen zu wollen, sondern vielmehr das Ziel, eine Verlagerung hinzukriegen.

"Wer Strassen baut, wird Verkehr ernten." Das war einer der Sprüche, mit denen ich meine politische Karriere begonnen habe. Ich bin der Überzeugung, dass der Spruch nicht nur für die Städte gilt. Dort habe ich diesen Spruch gebraucht, weil klar ist, dass, je mehr Strassen auf die Städte zuführen, desto mehr Stau es dort gibt - was ja auch Ihnen nicht gefällt. Wir können aber auch sagen: Wer heute Strassen baut, baut nicht Wege in die Zukunft, sondern Wege in den Abgrund. Für das sind mir 1,5 Milliarden Franken zu viel - selbst wenn sie nirgendwo sonst fehlen würden.