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Stolz Daniel · Nationalrat · 2015-05-04

Stolz Daniel · Nationalrat · Basel-Stadt · FDP-Liberale Fraktion · 2015-05-04

Wortprotokoll

Weil der Markt meist zu klein ist, um hohe Forschungskosten zu rechtfertigen, werden in der Schweiz viel zu wenig Medikamente gegen seltene Krankheiten entwickelt. In der Forschung für diese seltenen Krankheiten sind wir in der Schweiz im wahrsten Sinne des Wortes Trittbrettfahrer: Die USA haben schon 1983 mit dem Orphan Drug Act eine Marktexklusivität für Medikamente gegen seltene Krankheiten geschaffen, und die so viel kritisierte EU hat im Jahre 2000 nachgezogen. Man kann sich selbstverständlich auf den Standpunkt stellen, dass es uns eigentlich recht ist, wenn sich die anderen engagieren, dass wir also nichts unternehmen müssen. Wir, ich und die FDP/die Liberalen, sind da ganz anderer Meinung: Wir treten ein für die Forschungsanreize.

Der Anreiz ist hier tatsächlich eine Marktexklusivität von zehn Jahren, ein Monopol. Und ja, ein Monopol an sich gefällt uns nicht. Aber es ist kein absolutes Monopol: Sobald ein besseres oder sichereres Medikament entwickelt wird, bricht dieses Monopol, wird das Monopol obsolet, denn der Patient, die Patientin hat selbstverständlich das Anrecht auf das beste oder das sicherste Medikament.

Der Anreiz, der in den USA und in der EU geschaffen worden ist, funktioniert: Dank der Vorreiterrolle dieser beiden verfügen wir heute über wesentlich mehr Arzneimittel gegen seltene Krankheiten als noch vor zwanzig Jahren. Das kommt in allererster Linie unseren Patientinnen und Patienten zugute. Wir alle wissen nicht, ob wir nicht morgen selber zu einer Gruppe gehören, die eine dieser seltenen Krankheiten hat.

Dasselbe gilt im Übrigen für neue Indikationen. Wir haben heute ein echtes Problem. Die Anreize für die Erforschung neuer Indikationen bekannter Medikamente genügen nicht, vor allem wenn die Medikamente schon länger auf dem Markt sind. Es gibt eine Reihe von Krankheitsgebieten, zum Beispiel antimikrobielle Resistenzen, Krankheiten des zentralen Nervensystems wie Depressionen, in denen wir alle, Ärzte und Patientinnen und Patienten, dringend auf neue Medikamente warten. Die Forschung stellt aber immer mehr fest, dass ein bestimmter Wirkstoff bei zum Teil ganz anderen Krankheiten seine Wirkung entfalten kann. Das Problem ist, dass man kaum bereit ist, hier in die risikoreiche Forschung Millionen, wenn nicht Milliarden von Franken zu investieren, wenn das Patent dieser Substanz bald abläuft oder gar schon abgelaufen ist.

Ein Wort noch zu den vielzitierten Kosten, auch wenn dies eigentlich ein anderes Thema ist:

1. Ob ein Medikament als Orphan Drug anerkannt wird, entscheidet Swissmedic und nicht die Pharmafirma. Sollte ein Missbrauch betrieben werden, ist es an Swissmedic, dies zu unterbinden.

2. Die Medikamentenpreise bilden sich ja nicht frei am Markt, sondern es sind administrierte Preise; es ist also Verhandlungssache. Auch hier hat der Staat zu Recht die Möglichkeit einzuschreiten, und das tut er ja auch, wie wir den alljährlichen Diskussionen entnehmen können.

3. Auch die Möglichkeiten, ein Medikament zu beziehen, können eingeschränkt werden. Ich erinnere hier nur zum Beispiel an die Diskussion um die sehr wirkungsvollen, aber sehr teuren Medikamente gegen Hepatitis C; es braucht heute sehr viel, damit man eines dieser teuren Medikamente bekommt. Nur wenn meine Leber schon völlig zerstört ist, kann ich diese Medikamente beziehen, die sehr teuer sind. Auch hier hat also der Staat Möglichkeiten einzuschreiten.

Wie hoch sind denn heute die Kosten dieser Orphan Drugs? Laut der Versicherung Helsana machen sie rund 2,5 Prozent der Kosten aus - 2,5 Prozent der Kosten! Was die Zukunft insgesamt bringt, wissen wir selbstverständlich nicht. Bei den Kosten - da müssen wir ehrlich sein - wird es am Schluss eine Frage der Rationierung sein. Dies wird eine schwierige Diskussion werden, auch für uns. Aber die Diskussion wird kommen: Werden Medikamente oder Operationen rationiert oder nicht?

Aber um all das geht es hier an sich nicht, sondern hier geht es nur darum, ein Zeichen für die Forschung, für den Forschungsstandort Schweiz zu setzen oder eben nicht. Ich bitte Sie im Namen der FDP-Liberalen Fraktion, dieses Zeichen für unseren Forschungsstandort zu setzen und damit auch etwas für unsere Arbeitsplätze zu tun.