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Rytz Regula · Nationalrat · 2013-09-12

Rytz Regula · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2013-09-12

Wortprotokoll

Unser Vorstossaufräummarathon neigt sich langsam dem Ende zu. Wir hatten alle viel Geduld und konnten viele wichtige Themen diskutieren. Bereits vor mir haben einige Kolleginnen und Kollegen einmal mehr darauf hingewiesen, dass wir in der Schweiz ein grosses Problem haben, weil wir zu wenig Humanmedizinerinnen und Humanmediziner ausbilden und deshalb die ärztliche Grundversorgung in der Schweiz nur dank ausländischen Fachkräften sicherstellen können. An unseren Spitälern besitzen heute rund 45 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung ein ausländisches Diplom. In einzelnen Fachgebieten wird die Hälfte aller Facharztdiplome an Ärztinnen und Ärzte mit ausländischen Examen verliehen. Dieser umgekehrte Braindrain ist für die Schweiz ungesund, und er ist auch unfair gegenüber den Staaten, die für uns die Ausbildungskosten tragen.

Der Braindrain ist aber auch riskant. Werden die Arbeitsbedingungen in den umliegenden Ländern nämlich wieder attraktiver, können wir unseren selbstverschuldeten Ärztemangel nicht mehr mit der Hilfe von aussen beheben. Gemäss den neuesten Zahlen ist der Zenit bereits überschritten: Vor allem deutsche Fachkräfte wandern wieder zurück, sie werden zum Teil aktiv zurückgeholt.

Wenn wir also in der Schweiz eine gute Grundversorgung sicherstellen wollen, wenn wir uns auf die anstehende Pensionierungswelle bei den Hausärztinnen und Hausärzten vorbereiten wollen, müssen wir das Heft in die Hand nehmen, und zwar so rasch als möglich. Das sieht auch der Bundesrat im Grundsatz so, doch er handelt nicht schnell genug. Zwar haben sich Bund und Kantone bereits vor einem Jahr darauf geeinigt, ab dem Jahr 2018/19 jährlich 300 Ärztinnen und Ärzte zusätzlich auszubilden. Zur Finanzierung sollen in der Bildungs- und Forschungsbotschaft 2017-2020 zusätzliche Mittel für die Humanmedizin zur Verfügung gestellt werden. Das ist gut, erfolgt aber nicht schnell genug, denn schon 2021 werden 75 Prozent der heutigen Hausärztinnen und Hausärzte in Pension sein. Da es sich bei der medizinischen Ausbildung bekanntlich nicht um eine Schnellbleiche handelt, braucht es so rasch als möglich zusätzliche Studienplätze. Die Finanzierung dieser Studienplätze kann nicht eine Aufgabe nur der Universitätskantone sein, denn die Ärztinnen und Ärzte werden in der ganzen Schweiz gebraucht. Der Bund muss also das Angebot mitsteuern und mitfinanzieren.

Mit dem Impulsprogramm, das ich in meiner Motion fordere, kann der Bund mit den Trägerkantonen zusammen die Zahl der Ausbildungsplätze bereits ab dem Studienjahr 2014 anheben, sodass wir nicht untätig warten müssen bis 2018, bis endlich etwas passiert. Das ist vor allem auch für die Kantone wichtig, die finanziell wenig Spielraum haben und ohne Bundeshilfe keine zusätzlichen Studienplätze schaffen können. Wir haben es also wie so oft mit einem gordischen Knoten zu tun. Alle möchten handeln, aber niemand will den Anfang machen.

Ich möchte Sie deshalb bitten: Helfen Sie mit, den Anfang zu machen, um den gordischen Knoten zu lösen. Auch die Fachgesellschaften der Ärztinnen und Ärzte unterstützen meine Motion. Ich hoffe, dass auch Sie es tun werden, denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, wie es immer so schön heisst. Wir können das heute ändern. Ich bitte Sie um Unterstützung.