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Luginbühl Werner · Ständerat · 2014-12-04

Luginbühl Werner · Ständerat · Bern · Fraktion BD · 2014-12-04

Wortprotokoll

Erlauben Sie mir auch noch einige Bemerkungen zu dem wichtigen Teilaspekt, den Herr Kollege Bieri jetzt eben angesprochen hat. Vorab möchte ich festhalten, dass ich mir sehr wohl bewusst bin, dass wir, wenn wir die weltweite Spitzenposition der Schweizer Universitäten auch zukünftig sichern wollen, darauf angewiesen sind, dass diese Universitäten international die besten Talente rekrutieren können. Trotzdem komme ich noch einmal auf diesen Punkt zurück und erinnere an ein Hearing, das wir in der WBK am 2. April 2012 mit der Gruppe junger Forschender durchgeführt haben. Unter dem Titel "Vision 2020" wurde da dargelegt, dass ohne massiven Umbau der universitären Hierarchien die Schweiz ihre Eliten vorwiegend aus dem Ausland einkaufen müsse. Weiter wurde gesagt, dass die Schweizer Hochschulen hervorragende Forschung leisteten, dass sie aber an der Rekrutierung und Förderung wissenschaftlicher Talente aus dem einheimischen Bildungssystem scheiterten.

Warum ist das so? Es gibt mehrere Gründe. Ein wichtiger ist sicher jener, den eine internationale Vergleichsstudie aus dem Jahr 2009 zum Vorschein brachte. Sie stellte fest, dass eine wissenschaftliche Karriere in der Schweiz besonders unsicher und wenig attraktiv für Wissenschafter sei, die ein Interesse an berufsbiografischer Planbarkeit hätten. Es wurde von meinen Vorrednern erwähnt: Infolge dieses Hearings wurde ein Postulat eingereicht. Gestützt auf dieses Postulat hat der Bundesrat einen Bericht vorgelegt, in dem er Sondermassnahmen in Aussicht gestellt hat. Ganz nebenbei erwähnt: In der Medienmitteilung des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation vom 28. Mai dieses Jahres wird nur von wissenschaftlichem Nachwuchs gesprochen. Dass allenfalls die Förderung des inländischen Nachwuchses eine besondere Beachtung verdient, wird mit keinem Wort erwähnt. Noch einmal: Die wissenschaftliche Karriere ist bei uns zu wenig attraktiv, um talentierte Bildungsschweizer an Hochschulen halten zu können. Die Universität St. Gallen hat heute auf Doktorstufe einen Ausländeranteil von 84 Prozent - 84 Prozent! Bei den ETH sieht es ähnlich aus.

Diese Zahlen zeigen doch, dass wir ein Problem haben. Dieses Problem müssen wir ansprechen, und vor allem müssen wir es angehen. Ich erwähne noch einmal eine Aussage der Gruppe junger Forschender: "Nichts tun würde bedeuten, dass wir der Bevölkerung erklären müssen, warum es für die Schweiz das Beste sei, ein arabisches Hochschulmodell zu haben, in dem Expat-Experten den Einheimischen das wissenschaftliche Einmaleins beibringen." Das ist sicher etwas übertrieben, aber in der Grundstossrichtung drohen wir in eine ähnliche Richtung zu gehen. Nach meinem Empfinden muss der Fokus bei diesen Arbeiten klar auf eine höhere Attraktivität für Einheimische gelegt werden, auch wenn das ein schwer zu lösendes Problem ist; Kollege Bieri hat es dargelegt. Ich befürchte, dass dies mit den bisher in Aussicht genommenen Massnahmen nicht in genügendem Mass sichergestellt wird. Ich bitte daher den Bundesrat eindringlich, diesem Aspekt die nötige Beachtung zu schenken.