Lexipedia

Guhl Bernhard · Nationalrat · 2014-12-09

Guhl Bernhard · Nationalrat · Aargau · Fraktion BD · 2014-12-09

Wortprotokoll

Warum habe ich der Vorlage zur Energiestrategie 2050 und damit dem geordneten Ausstieg aus der Kernenergie zugestimmt? Weil ich will, dass die erneuerbaren Energien in der Schweiz ausgebaut werden. Weil ich will, dass Schweizer Strom auch hauptsächlich in der Schweiz produziert wird. Weil ich unsere Abhängigkeit von ausländischem Öl und Gas reduzieren will. Weil es möglich ist, mit besserer Isolation Heizenergie zu sparen. Weil neue Geräte effizienter sind und das Sparpotenzial riesig ist. Weil bei Kernkraftwerken auch immer ein Restrisiko bleibt. Und weil dieses Restrisiko bleibt, findet sich heute kein Elektrizitätsunternehmen, welches bereit wäre, ein neues Kernkraftwerk zu bauen. Wir müssen also einen anderen Weg finden, damit in der Schweiz Strom produziert wird.

Das macht die Initiative eigentlich nicht obsolet. Ich lehne die Initiative dennoch ab, weil sie zu weit geht. Ich weiss, dass unsere Kernkraftwerkbetreiber eine ausgeprägte Sicherheitskultur haben, laufend in die Sicherheit investiert haben und dass darum ein sofortiges Abschalten aus Sicherheitsgründen nicht zwingend notwendig ist. Ich bin gegen die Initiative, weil ich für einen geordneten Ausstieg bin. Ich möchte, dass wir nun in der Schweiz zunächst die Stromproduktion aus Wasser, Wind, Geothermie oder Biomasse aufbauen, anstatt dass wir in einer Hüst-und-Hott-Aktion die Kernkraftwerke abschalten und dann Strom aus dem Ausland importieren müssen.

Ich bin es satt, mir anhören zu müssen, was mir als Befürworter der Energiewende von den Gegnern vorgeworfen wird, und entgegne:

Nein, ich bin nicht wirtschaftsfeindlich, weil ich für die Energiewende bin. Die Energiewende führt zu vielen Investitionen für das Schweizer Gewerbe und die Schweizer Industrie.

Nein, ich lasse mich auch nicht von einer Illusion blenden. Mir ist klar, und ich weiss, dass es grosse Anstrengungen braucht, damit wir die Energiewende schaffen können. Die Schweiz wird aber diese Herausforderung anpacken.

Nein, es ist technisch nicht unmöglich, diese Energiewende zu schaffen. Ich lege hier noch meine Interessenbindung offen: Ich arbeite bei Siemens und weiss daher, dass diese Energiewende technisch locker machbar ist - wenn man denn will. [PAGE 2249]

Nein, ich bin nicht für endlose Förderungen von erneuerbaren Energien. Doch ohne diesen Anschub wird es leider nicht möglich sein, die Energiewende zu schaffen. Wären die Gegner ehrlich, würden sie zugeben, dass auch die Kernenergie vom Staat gefördert worden ist.

Nein, ich verschliesse mich neuen Technologien nicht. Ich bin vielmehr überzeugt, dass es noch sehr viele neue Technologien geben wird und dass zumindest in der Energiebranche demnächst noch einiges entwickelt werden wird, das wir anstelle der Nukleartechnologie einsetzen können.

Liebe Gegner der Energiestrategie, auch ich lehne - wie Sie - diese Initiative ab. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich aber überzeugt, dass es mit der Energiewende einen alternativen Weg gibt. Ihr Gegner habt sie bislang nur abgelehnt. Ohne eine andere Lösung aufzuzeigen, geht das aber so nicht.

Ich sage Nein zur Atomausstiegs-Initiative, aber Ja zur Energiewende.