Graf Maya · Nationalrat · 2012-12-14
Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2012-12-14
Wortprotokoll
Bevor wir zu den Schlussabstimmungen kommen, möchte ich mich gerne auch in Ihrem Namen von zwei Ratskolleginnen und einem Ratskollegen verabschieden. Alle drei haben in unserem Rat eine prägende Rolle gespielt.
1995 wählten die Bernerinnen und Berner Franziska Teuscher auf der Liste des Grünen Bündnisses in den Nationalrat. Franziska Teuscher wirkte mit in den Kommissionen für Umwelt, Raumplanung und Energie, für soziale Sicherheit und Gesundheit, für Verkehr und Fernmeldewesen sowie in der Geschäftsprüfungskommission und der Geschäftsprüfungsdelegation. Franziska Teuscher engagierte sich in unserem Rat kompetent und unermüdlich, insbesondere für ökologische und soziale Anliegen. Dass sie dabei nicht immer Erfolg hatte, konnte sie nicht entmutigen. Sie weiss, dass gerade grüne Anliegen Zeit brauchen, bis sie schliesslich mehrheitsfähig werden.
Auch ausserhalb des Nationalrates war und ist die gelernte Biologin sehr aktiv. Sie half mit, das Netzwerk Fachfrauen Umwelt zu gründen, sie engagierte sich für den Auenschutz, setzte sich als Gewerkschaftssekretärin für die Gleichstellung von Mann und Frau ein und präsidiert den Verkehrsclub der Schweiz. Bei Franziska Teuscher weiss man immer, woran man ist. Sie vertritt ihre Meinung klar und deutlich. Was Frau Teuscher als Politikerin mit Vehemenz verlangt, lebt sie auch selbst. So war sie eine der ersten jungen Mütter, die dank partnerschaftlicher Arbeitsteilung Familie und Nationalratsmandat unter einen Hut bringen konnte. Franziska Teuscher verriet einmal in einem Interview, dass ihr Lieblingsfamilienspiel "Das verrückte Labyrinth" sei: Zum Gewinnen brauche es Planung, Fantasie und Glück - wie im richtigen Leben.
Am 25. November wurde unsere Kollegin Franziska Teuscher in die Stadtberner Exekutive gewählt, weshalb sie auf den Beginn der Frühjahrssession 2013 aus dem Nationalrat zurücktritt. Wir wünschen ihr in ihrem neuen Wirkungsfeld von Herzen viel Erfolg und Befriedigung. (Grosser Beifall)
1999 wurde Ursula Wyss auf der Berner SP-Liste in den Nationalrat gewählt. Sie engagierte sich in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, in der Staatspolitischen Kommission, in der Finanzkommission und in der Aussenpolitischen Kommission. Bei ihrer Wahl war Ursula Wyss mit 26 Jahren die jüngste Nationalrätin. Sie versprach damals, engagiert links zu politisieren. Dieses Versprechen hat sie gehalten. Dezidiert, beharrlich und umsichtig setzt sich [PAGE 2278] Ursula Wyss für eine soziale, ökologische, demokratische und gerechte Gesellschaft ein. Sie vertritt klare Positionen und sagt, was ihr wichtig ist, auch ungefragt, wie sie einmal in einem Interview erklärte. Ursula Wyss kann aber auch zuhören. Sie ist gesprächsbereit und geniesst Respekt, auch bei ihren politischen Gegnern. Sechs Jahre lang leitete sie mit Erfolg die SP-Fraktion. Es gelang ihr, die Meinungen der Fraktionskolleginnen und -kollegen zu bündeln und nach aussen wirkungsvoll zu vertreten. Als Fraktionschefin war sie auch Mitglied des Büros und setzte sich dort für den guten Ablauf der Verhandlungen dieses Rates ein.
Auch in ihren privaten und beruflichen Engagements beschäftigte sich die promovierte Ökonomin mit energie-, umwelt- und gesellschaftspolitischen Fragen, so etwa beim WWF Schweiz, als ehrenamtliche Beirätin der Stiftung Gewa für berufliche Integration oder in ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Die Überschrift ihrer Doktorarbeit lautet "Arbeitszeitformen und Freizeitverhalten. Eine Zeitbudgetuntersuchung". Ihre eigene, für das Privatleben budgetierte Zeit verbringt Ursula Wyss am liebsten mit ihrer Familie, wie sie auf ihrer Website schreibt. Damit beweist sie wie ihre Kollegin Franziska Teuscher, dass Familie, Beruf und aktive Politik bei entsprechender Unterstützung gut vereinbar sind.
Auch Ursula Wyss wurde Ende November glanzvoll in die Exekutive der Stadt Bern gewählt. Sie tritt deshalb auf den Beginn der Frühjahrssession 2013 aus dem Nationalrat zurück. Wir wünschen ihr im Privatleben und im neuen Amt von Herzen alles Gute und viel Befriedigung. (Grosser Beifall)
Peter Spuhler wurde 1999 als Vertreter der SVP Thurgau in den Nationalrat gewählt. Während seiner ganzen Amtszeit arbeitete er engagiert in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben mit. Als erfolgreicher Unternehmer wusste er, wovon er sprach. Sein Wort hatte deshalb in der Kommission und im Rat Gewicht. Peter Spuhler verkörperte in unserem Rat kompetent und glaubwürdig die Schweizer Industrie und das Unternehmertum unseres Landes. Es ist für unser Parlament, wo der Milizgedanke immer noch seine Bedeutung hat, besonders wichtig, dass Patrons wie Peter Spuhler ihre Sicht und Erfahrung eins zu eins einbringen können. Die Verantwortung für sein Unternehmen veranlasste ihn nun aber, per Ende Jahr als Nationalrat zurückzutreten. Das schwierigere wirtschaftliche Umfeld bedinge auch zeitlich seinen vollen Einsatz für seine Firma, die Stadler Rail, sagte er uns. Das Unternehmen übernahm Peter Spuhler 1989 mit 18 Mitarbeitern. Heute beschäftigt er 4500 Mitarbeiter, fast zwei Drittel davon in der Schweiz. Eine florierende Wirtschaft und insbesondere ein erfolgreicher Werkplatz Schweiz waren und sind Peter Spuhler in der Politik ein zentrales Anliegen; kernig, geradlinig und eigenständig setzte er sich in unserem Rat dafür ein. In jungen Jahren war Peter Spuhler auch erfolgreicher Nationalliga-Eishockeyspieler bei den Zürcher Grasshoppers. Auch aus dieser Zeit weiss er, dass man kämpfen und am Puck bleiben muss, wenn man Erfolg haben will, und wie im Sport zählt auch in der Politik am Schluss das Ergebnis. Peter Spuhler vertrat seine Haltungen klar und dezidiert, war dabei aber stets diskussionsbereit, lösungsorientiert und an einem konkreten Ergebnis interessiert.
Wir wünschen Peter Spuhler eine erfolgreiche Zukunft für sein Unternehmen und ihm und seiner Familie viel Glück und alles Gute! (Grosser Beifall)