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Amstutz Adrian · Nationalrat · 2015-06-09

Amstutz Adrian · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2015-06-09

Wortprotokoll

Die SVP-Fraktion will auf das Geschäft eintreten. Wir schätzen und kennen seinen Stellenwert, insbesondere für die Tourismusbranche. Wir wissen: Der Tourismus trägt 4 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei; er generiert 4,8 Prozent der gesamten Exporteinnahmen; 15 Milliarden Franken kommen von den Gästen aus dem Ausland in die Schweiz; der Tourismus gibt fast 200 000 Beschäftigten Arbeit. Es ist eine wichtige Branche, und wir wissen auch, dass der Tourismus mit der Frankenstärke respektive mit der Euroschwäche vor grossen Herausforderungen steht.

Aber wir wissen auch, dass einfach mit mehr Geld, mehr Staatsgeld, das über die Bürokratie des Tourismus ausgeschüttet wird, das Problem der Betriebe im Land nicht gelöst wird. Darum ist es das Ziel der SVP-Fraktion, die Ausgaben auf dem Niveau von 2014 zu stabilisieren - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Warum? Wir haben keine Teuerung, aber einen Einbruch bei den Bundeseinnahmen. Darum will die SVP einen haushälterischen Umgang mit dem Steuergeld. Die SVP-Fraktion ist bei nur einer Gegenstimme und bei einer Enthaltung für diese Vorlage - aber eben für ein massvolles Ausgabenwachstum respektive für den Betrag von 2014.

Mehr Geld? Was will man mit mehr Geld? Zum Beispiel das Qualitätsprogramm "überarbeiten". Man will das Bürokratiemonster noch ein bisschen weiter überarbeiten. Wissen Sie, wer vor allem mit Qualitätssiegeln Geld verdient? Die Bürokraten, diejenigen, die die Fragebögen erfinden, und diejenigen, die kontrollieren. Und wissen Sie, was bei dieser Qualitätsübung fehlt? Herzlichkeit, das fehlt, und das ist der matchentscheidende Faktor im Tourismus - Herzlichkeit, Freundlichkeit! Herzlichkeit ist gefragt, und zwar nicht gespielte, sondern gelebte.

Was will man mit mehr Geld? 50 Millionen Franken fordert Schweiz Tourismus, nachdem bereits bei der letzten sogenannten Krise um 35 Millionen Franken aufgestockt worden ist. Das macht in der Summe also 85 Millionen Franken. Das ist, meine ich, in der heutigen Situation und der Art, wie der Bund Einnahmen generiert, nicht zulässig. Selbstverständlich ist die Hotellerie durch die Frankenstärke schwer betroffen. Aber Schweiz Tourismus ist eben nicht von der Frankenstärke betroffen. Wir haben einen Markt im Euroraum - 37 Prozent der Gäste kommen aus dem Euroraum -, wo man jetzt mit dem gleichen Franken 17 Prozent mehr Werbung machen kann. Ich begreife also das ganze Gejammer nicht. Auch Schweiz Tourismus, die Organisation, die das Marketing sicherzustellen hat, könnte sich einmal überlegen, sich mit Massnahmen wie mehr Arbeit, mehr Leistung, wie das auch die Hotelbetriebe oder die Bahnbetriebe machen müssen, oder einem optimierten Mitteleinsatz, wie das auch die Betriebe im Land draussen tun müssen, zu beschäftigen. Dann käme da vielleicht ein anderer Output heraus.

Ein bekannter Uhrenmacher, Nick Hayek, hat festgestellt, dass aufseiten von Schweiz Tourismus offensichtlich Ideen und Inhalte fehlen würden. Ich sehe es gleich: Ich stelle einfach fest, dass man vor allem immer mehr Geld will, doch ich finde, dass es hier an neuen Ideen und neuen Inhalten fehlt. Schweiz Tourismus muss Märkte bearbeiten und neue aufbauen - und nicht bestehende Gäste in der Schweiz umverteilen, wie in der "NZZ" zu lesen war. Das ist doch keine Strategie! Es braucht mehr Zitronen, Mister Schweiz Tourismus! Es braucht den Willen, hier mehr Zitronen, also mehr Gäste, in die Schweiz zu bringen, anstatt die bestehenden auszupressen und den Saft anders zu verteilen. Das ist doch keine Strategie!

Es gibt übrigens erfolgreiche Marketingorganisationen, ich nenne Ihnen drei: Zermatt/Matterhorn, Luzern/Titlis und Interlaken/Jungfrau. Die haben in der Zeit, in der der Schweizer Tourismus eingebrochen ist, um 40 Prozent zugelegt. Das sagt genug!

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