Eder Joachim · Ständerat · 2015-03-17
Eder Joachim · Ständerat · Zug · FDP-Liberale Fraktion · 2015-03-17
Wortprotokoll
Im laufenden Jahr 2015 jährt sich die Schlacht von Morgarten, ein historischer Sieg für die Eidgenossen, zum 700. Mal und die Schlacht von Marignano, eine massgebliche Niederlage, zum 500. Mal. Anlässlich dieser beiden historischen Ereignisse gab die Schweizerische Post zwei Sondermarken heraus. Gestaltet hat sie der bekannte Kunstmaler Rudolf Mirer aus Obersaxen. Als Mitglied des Patronatskomitees "Morgarten - 700 Jahre Abenteuer Geschichte", womit auch meine Interessenbindung offengelegt ist, war ich an der Vernissage im Bundesbriefmuseum in Schwyz dabei. Es war eine würdige Feier.
Als Zuger und Ägerer beschränke ich mich auf Morgarten, das etwas ausgelöst und bewegt hat, auch wenn sich heute noch einige fragen, was damals im Jahre 1315 wirklich passiert ist. Das Ereignis als solches ist zwar unbestritten, wegen der sehr schmalen Quellengrundlage gibt es nebst den traditionellen Vorstellungen, den Einschätzungen, den Interpretationen, den vielen Nachforschungen und Neubeurteilungen, den militärischen, patriotischen und lokalhistorischen Überlagerungen und Zutaten aber auch heute noch Widersprüche und offene Fragen. So deutete beispielsweise der bekannte Zuger Historiker Roger Sablonier selig, Archivquellenspezialist und ehemaliger Ordinarius für Geschichte des Mittelalters an der Universität Zürich, in seinem Buch "Gründungszeit ohne Eidgenossen" gerade auch den Morgartenbrief sowie das ganze Geschehen von Morgarten inhaltlich neu.
Es liegt mir fern, dies kommentieren zu wollen. Zu viele Bücher von Fachleuten und Spezialisten, die sich teils widersprechen, sind darüber bereits geschrieben worden. Immerhin stelle ich folgende vier Punkte fest:
1. Morgarten ist nicht nur ein Schlachtfeld, Morgarten ist nicht nur ein Denkmal, sei es jetzt die Schlachtkapelle in der Schornen oder sei es das Denkmal auf Zuger Boden, Morgarten ist und bleibt ein Mythos.
2. Morgarten ist auch mehr, als wir in der Schule lernten, wo es hauptsächlich um Baumstämme und im Sumpf versinkende Ritter ging.
3. Noch heute werden wichtige und zentrale Begriffe wie Heimatliebe, Freiheit, Widerstand, Zivilcourage, Gerechtigkeit, um nur einige zu nennen, mit Morgarten in Zusammenhang gebracht. Vielleicht passt dies nicht allen in unserem Land und in diesem Saal, aber ich stehe dazu.
4. Vor allem: "Morgarten findet statt", nicht nur im Film von Erich Langjahr und Beni Müller, der diesen Titel trägt, sondern jedes Jahr am 15. November mit zwei wichtigen und sehr gut besuchten Gedenkschiessen und einer Schlachtjahrzeit, drei speziellen Anlässen also.
In diesem Jubiläumsjahr gibt es verschiedene Veranstaltungen zu "Morgarten - 700 Jahre Abenteuer Geschichte", vor allem auch, und deshalb erwähne ich das speziell, für Schulklassen, die in unserem Land häufig leider zu wenig mit der Geschichte konfrontiert werden. Es geht dabei keinesfalls - das möchte ich betonen - um eine Verherrlichung der Schlacht, sondern um eine intensive, zeitgerechte Auseinandersetzung mit der Geschichte. Denn eines ist klar: Wer seine Geschichte aufgibt, gibt seine Wurzeln auf, und das will ich persönlich nicht tun.