Fetz Anita · Ständerat · 2015-06-09
Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2015-06-09
Wortprotokoll
1400 Personen warten jedes Jahr auf eine Organspende. Seit Jahren wissen wir, dass in der Schweiz erschütternd wenig Organe gespendet werden. Seit Jahren machen Swisstransplant und der Bundesrat - jetzt mit einer guten Aktion - Informationskampagnen für das freiwillige Tragen des Organspendepasses. Das ist sehr gut, und ich habe das auch immer unterstützt.
Es gibt Befragungen in der Bevölkerung, die aufzeigen, dass 80 Prozent der Bevölkerung im Prinzip für Organspenden sind, aber nur 8 Prozent werden aktiv und beantragen tatsächlich einen Spendepass. Das zeigt, dass die Bevölkerung offen ist für das Spenden, allein, es hapert beim freiwilligen Aktivwerden - das haben wir jetzt immer wieder [PAGE 455] erfahren. Ich kann das ein Stück weit nachvollziehen, denn es ist tatsächlich nicht jedermanns Sache, sich ohne Anlass hypothetisch mit dem eigenen Tod zu beschäftigen - das ist nun mal nicht unbedingt etwas, womit sich ein normaler Mensch täglich beschäftigt.
Auch ich habe erst seit ein paar Jahren einen Spendepass, nämlich genau seit dem Moment, als mich meine Apothekerin konkret darauf angesprochen und mir einen solchen Pass mitgegeben hat. Ich bin wirklich der Meinung, dass wir, wenn wir die Spendebereitschaft in der Bevölkerung erhöhen wollen - sie ist ja eigentlich dafür offen -, andere Wege als bisher finden müssen, nämlich Wege, wie wir möglichst viele Menschen mit der Frage konfrontieren können: Spenden - ja oder nein? Ich denke, das darf man den Leuten zumuten, dass sie zwangsläufig mit der Frage "Spenden - ja oder nein?" konfrontiert werden. Die Antwort muss freiwillig sein, aber die Frage muss gestellt werden. Darin sehe ich überhaupt kein Problem, im Gegenteil: Ich bin überzeugt, viele Leute wären sehr froh, wenn sie einmal vor diese Frage gestellt würden.
Solche Orte, wo man das tun kann, gibt es nicht viele. Vor Jahren haben wir mal vorgeschlagen, den Führerausweis dafür zu nehmen. Unser Rat hat dem zugestimmt, der Nationalrat hat es leider abgelehnt. Jetzt gibt es neu die Möglichkeit im elektronischen Patientendossier, da haben wir die Möglichkeit heute Morgen ja eingebaut. Aber das Problem, der springende Punkt ist wieder: Der Patient oder die Patientin muss selber aktiv werden. Man kann jetzt beklagen, dass die Leute das nicht tun, aber es ist einfach eine Tatsache, und deshalb finde ich den Vorschlag von Kollegin Amherd richtig. Der Weg über die Versichertenkarte ist auch gangbar: Die Versichertenkarte wird jedes Jahr neu von den Kassen an ihre Versicherten versendet. Davor können die Versicherten jeweils ihr Versicherungsmodell wählen, und dabei können sie auch gleich die simple und einfache Frage beantworten: Spenden - ja oder nein? Das ist doch nicht zu viel verlangt! Deshalb bitte ich Sie, die Motion zu unterstützen.
Ich denke, es muss uns endlich gelingen, diese Lücke zwischen genereller Bereitschaft und Aktivwerden und Dokumentieren zu überspringen! Sonst können wir das Problem, dass es einfach viel zu wenige Organspenden gibt, nicht lösen. Und dann wird es nicht mehr lange gehen, und eines Tages wird die Forderung aufkommen, dass nur kriegt, wer auch bereit ist zu geben. Ich möchte nicht, dass wir an diesem Punkt landen. Aber ich finde, wir können die Menschen, die auf Organspenden angewiesen sind, nicht ewig warten lassen, ohne alle Möglichkeiten auszuprobieren, das Problem zu lösen.
Deshalb bitte ich Sie, die Motion Amherd zu unterstützen.