Minder Thomas · Ständerat · 2015-09-23
Minder Thomas · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2015-09-23
Wortprotokoll
Es stimmt: Für diese Vorlage braucht es keinen Feldstecher. Weder ist der Höckerschwan als Art gefährdet, noch braucht es für eine Bestandesregulierung ein neues Gesetz. Ich bin Ornithologe, das wissen Sie, und als solcher erlaube ich mir eine Bemerkung zu dieser Motion: Sie ist abzulehnen, nicht weil meine Freizeitbeschäftigung das Beobachten von Vögeln ist - ich schaue vielleicht den schwarzen, aber nicht den weissen Schwänen nach -, sondern weil bei gravierenden Schäden das Vorgehen mit Blick auf geschützte Arten schon heute ganz allgemein geregelt ist. Die Kantone können schon heute beim Bafu eine Bewilligung einholen. Dieses Vorgehen hat sich bewährt. Wir können doch nicht bei jeder Tierart, die in irgendeiner Region irgendwann ein Problem verursacht, die nationalen Gesetze ändern oder neue ins Leben rufen!
In Nidwalden werden schon heute mit Bewilligung die Eier von Schwänen in Nestern zerstört bzw. gestochen, wie wir gehört haben. Es gibt noch eine viel bessere Variante, nämlich die Eier zu schütteln, damit die Vögel die Brutzeit verlieren. Einen Vogelbestand regulieren Sie dadurch leider nicht, zumindest nicht nachhaltig; da machen sich einige Nichtkenner oftmals falsche Hoffnungen. Die Eier zu schütteln - ich habe es erwähnt -, damit die Vögel die Brutzeit verlieren, ist das wirkungsvollste Mittel. Am Flachsee im Aargau hat sich beispielsweise die Situation entschärft, als die Fütterung der Schwäne und Gänse reduziert wurde. Versuchen Sie es bitte in Ihrem Kanton mit dieser Massnahme!
Ebenso kann die Ansaat durch mobiles und temporäres Einzäunen vor den Schwänen geschützt werden. Schwäne fliegen nicht gerne, sodass mit dem Einzäunen in Ufernähe sehr wohl Erfolge erzielt werden können. Solche Massnahmen sind oft zielführender als der Abschuss.
Wie gesagt, gesetzgeberisch gibt es keinen Handlungsbedarf, erst recht nicht auf nationaler Ebene. Der "Tages-Anzeiger" formuliert es heute so - vielleicht haben Sie es gelesen -: "Die Welt muss noch in Ordnung sein, wenn sich die Regierung und das Parlament eines Landes wegen zwanzig Schwänen über ein politisches Geschäft beugen müssen." Zudem möchte ich unterstreichen, dass wir dauernd nach weniger Regulierung rufen. Dies ist ein klassischer Fall, um zu zeigen, dass wir nicht auch noch das hinterste und letzte Problemchen mit einem nationalen Gesetz zu lösen versuchen sollten. Lieber Kollege Niederberger, lösen Sie bitte das Schwanproblem föderalistisch! [PAGE 1041]
Ich bitte Sie hier, die Motion abzulehnen, wie es auch der Schweizer Tierschutz, der Schweizer Vogelschutz und die Schweizerische Vogelwarte in Sempach empfehlen.