Birrer-Heimo Prisca · Nationalrat · 2015-12-01
Birrer-Heimo Prisca · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2015-12-01
Wortprotokoll
Damit auch künftige Generationen ihre Bedürfnisse befriedigen können, braucht es Nachhaltigkeit in der Produktion und im Konsum. Derzeit konsumieren die rund 7 Milliarden Menschen auf der Erde mehr natürliche Ressourcen, als die Erde in der gleichen Zeit regenerieren kann. Ein solcher Lebensstil ist nicht nachhaltig. Ohne Rücksicht auf den natürlichen Kreislauf der Ressourcen werden diese früher oder später zur Neige gehen. Hier setzt nun die Volksinitiative "für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Grüne Wirtschaft)" an.
Der Initiativtext ist wahrlich nicht extrem, wie immer behauptet wird. Wir alle wissen, dass mit einer griffigen Revision des Umweltschutzgesetzes das Ziel einer grünen Wirtschaft erreicht werden kann, nur ist dieses Parlament leider nicht bereit, diese dringend notwendige Entwicklung anzustossen. Daher braucht es diese Initiative.
Aus Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten ist eine intakte Umwelt als Basis unserer Lebensgrundlagen unabdingbar. Der nachhaltige Konsum wird für viele immer wichtiger. Der Energie- und Ressourcenverbrauch soll mitberücksichtigt und unnötiger Abfall vermieden werden. Doch vor dem nachhaltigen Konsum, den es auf allen Ebenen zu fördern gilt - wir kennen zum Beispiel gute Bewegungen wie Repair Cafés, die dem auch nachleben -, steht die nachhaltige Produktion, denn noch zu oft wird der Rohstoffkreislauf nur ungenügend berücksichtigt. Hergestellte Güter zeichnen sich oft durch Kurzlebigkeit aus. Gekaufte Güter wandern deshalb nach kurzer Nutzungsdauer auf den Müll. Die Belastung für die Umwelt durch diese Produktionspraktiken ist enorm.
Den Anbietern fehlt aber in vielen Fällen der Anreiz, etwas an ihrem Verhalten zu ändern. Hier setzt die Initiative unter anderem auch an. Ich habe hier ein Beispiel. In diesen Tagen wechseln Sie alle Ihr IT-Equipment - entweder bekommen Sie es neu, oder Sie wechseln es. Mein i-Pad, das ich vor vier Jahren erhalten habe, ist nach zweieinhalb Jahren leider kaputtgegangen, funktionsuntüchtig geworden. Der Akku war kaputt und ist nicht ersetzbar. Man muss das Gerät eigentlich neu kaufen. Wir haben eine Unmenge solcher Geräte, die wir nach kürzester Zeit ersetzen, weil man Teile nicht reparieren kann, weil wir Teile nicht ersetzen können, und wir betreiben einen unglaublichen Ressourcenverschleiss. Selbst wenn Sie jetzt ein anderes Gerät wählen möchten - vielleicht stehen Sie, wie ich auch, heute um 11 Uhr beim Dienst für Informatik und sagen, Sie hätten eigentlich gerne ein Gerät, bei dem man zum Beispiel den kaputten Akku ersetzen könnte -, erhalten Sie es in der Regel nicht. Das ist doch eines der Probleme. Wir haben uns heute daran gewöhnt, zu ersetzen, wegzuwerfen und dann ein neues Gerät zu nehmen. [PAGE 1954]
Es gibt Gegenbewegungen, aber es braucht Anreize, um diese zu forcieren. Es braucht Anreize, um hier eben nicht nur nachhaltig konsumieren zu können, sofern ich denn die Auswahl habe, sondern auch nachhaltig zu produzieren. Deshalb können wir heute - nicht nur, wenn wir unsere Geräte auswechseln, sondern vor allem auch mit einer Ja-Empfehlung zur Volksinitiative - die Weichen für eine nachhaltigere und ressourceneffizientere Wirtschaft stellen. Machen Sie es, und vor allem: Konstruieren Sie nicht immer den Widerspruch, dass das Arbeitsplätze kostet. Im Gegenteil, wir wissen, dass die ganze nachhaltige Wirtschaft sehr viele Arbeitsplätze schaffen wird, zwar in anderen Bereichen, aber genauso wertvolle.