Grossen Jürg · Nationalrat · 2016-03-17
Grossen Jürg · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2016-03-17
Wortprotokoll
Gerne lege ich zuerst meine Interessenbindungen offen: Ich bin einerseits Mitglied im parteipolitisch sehr breit abgestützten Initiativkomitee der Stromeffizienz-Initiative. Andererseits bin ich Mitbesitzer und Geschäftsführer einer Elektroplanungs- und Gebäudeautomationsfirma mit insgesamt dreissig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Frutigen. Ich spreche hier für die grünliberale Fraktion, welche sich für die Stromeffizienz-Initiative ausspricht. Denn im Bereich der Stromeffizienz besteht immer noch ein riesiges Steigerungspotenzial.
Während wir in unserem Land im Bereich der fossilen Energien bei den Effizienzpotenzialen in den vergangenen Jahren aufgrund der CO2-Gesetzgebung und der Gebäudeprogramme bereits sehr gut aufgeholt haben und sich diese Effizienzpotenziale auf solider Gesetzesbasis auch weiterentwickeln und verbessern werden, wurde die hochwertigste Energieform - das ist mir ganz wichtig: die hochwertigste Energieform! -, die Elektrizität, stark vernachlässigt. Die Stromeffizienz ist sozusagen das Stiefkind der schweizerischen Energiepolitik. Nach wie vor werden unzählige Kilowattstunden ohne Nutzen verschwendet. Lichter brennen für niemanden, elektrische Geräte und Apparate laufen ohne Grund und Wirkung. So verschwenden wir heute bis zu 50 Prozent der in der Schweiz konsumierten Strommenge. Das belastet nicht nur unser Portemonnaie nachhaltig, sondern auch die Umwelt und die nachfolgenden Generationen.
Aus all diesen Gründen sind wir Grünliberalen sehr unzufrieden mit den Beschlüssen der Energiestrategie 2050, bei welcher wir zwar die Stromeffizienzziele, aber keine entsprechenden Massnahmen im Gesetz verankert haben. Dabei wäre es ein Einfaches gewesen, wenigstens freiwillige Effizienzmodelle für die Stromnetzbetreiber oder bezüglich Gebäudetechnikmassnahmen zu beschliessen. Zu unserem Unverständnis wurden diese Massnahmen jedoch abgelehnt. Die Technik und insbesondere die Gebäudetechnik sind längst bereit, diese Potenziale abzuschöpfen. Wegen der tiefen Strompreise und der fehlenden gesetzlichen Grundlagen mit entsprechenden finanziellen Anreizen wird dieses Stromeffizienzpotenzial jedoch leider nicht genutzt. Die grenzenlose Stromverschwendung ist leider kurzfristig günstiger als der sparsame Umgang mit dem Strom. Deshalb braucht es Massnahmen im Gesetz.
Wie bei der Interessendeklaration erklärt, beschäftige ich mich seit mehr als zwanzig Jahren als Unternehmer intensiv mit dem Thema Strom. In dieser Zeit haben sich die Elektroinstallationen, die elektrischen Geräte, die Steuerungen, aber auch die Stromerzeugungsanlagen enorm weiterentwickelt. Gerne weise ich Sie deshalb bei dieser Gelegenheit auf das hin, was wir in unseren eigenen Firmen und Wohngebäuden in den vergangenen Jahren mit neuen Technologien hingekriegt haben.
Erstens verbrauchen wir im Vergleich mit durchschnittlichen anderen Gebäuden gleicher Nutzungsart nur noch weniger als 20 Prozent Strom. Zweitens erreichen wir dies bei gleichzeitig höherem Komfort und bei gutem Lifestyle sowie bei verbesserter Sicherheit. Drittens haben wir dank diesem tiefen Verbrauch und in Kombination mit einer Fotovoltaikanlage aus einem ganz normalen bestehenden Gebäude ein Plusenergiegebäude machen können. Ich muss deshalb nicht an Stromeffizienzpotenziale glauben, nein: Ich kenne sie aus eigener Erfahrung bestens.
Egal, aus welcher Quelle unser Strom stammt: Es besteht ein dringender Handlungsbedarf, diese wertvollste Energieform effizienter zu nutzen. Frau Bundesrätin, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir können uns dadurch bei den polemisch geführten Diskussionen über die Stromerzeugung viele ideologische Streitereien ersparen. Setzen wir auf Stromeffizienz! Das lohnt sich gleich mehrfach.
Sollte die Energiestrategie 2050 mit den beschlossenen Effizienzzielen im Gesetz definitiv angenommen und umgesetzt werden, haben wir im Initiativkomitee die Absicht angekündigt, die Stromeffizienz-Initiative zurückzuziehen. So weit ist es jedoch noch nicht.
Deshalb empfehlen wir Grünliberalen Ihnen, die Stromeffizienz-Initiative zu unterstützen.