Dettling Marcel · Nationalrat · 2016-09-19
Dettling Marcel · Nationalrat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2016-09-19
Wortprotokoll
Im Jahr 2005 gab es im Kanton Zürich eine grosse Tragödie: Pitbulls bissen ein Kind tot. Nach diesem Ereignis hat die Politik reagiert und im Jahr 2008 einen obligatorischen Hundekurs für Besitzer von Hunden eingeführt. Wir erinnern uns: Im Nachhinein wurde festgestellt, dass die Hunde illegal gehalten worden waren. Der Besitzer hätte somit wohl nie einen Hundekurs besucht.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hat nun eine Evaluation zur Frage durchgeführt, ob die Ziele, die man sich damals gesteckt hat, erreicht worden sind. Der Bericht hat aber Erschreckendes festgehalten. So haben immerhin gut 20 Prozent der Hundehalter nie einen Kurs besucht. Das heisst, jeder fünfte Hundehalter besucht die Kurse nicht. Zusätzlich wurde festgestellt, dass es im Verhalten keinen deutlichen Unterschied gibt zwischen Hunden, die einen Kurs besucht haben, und solchen, die keinen besucht haben.
Diese Aussagen müssen uns doch hellhörig machen! Wenn das Bundesamt selber merkt, dass die Kurse nichts bringen, dann gehören diese ersatzlos abgeschafft. Obwohl wir diverse Zuschriften aus Veterinärkreisen erhalten haben, die sich für die Beibehaltung des Obligatoriums aussprechen, darf ich an dieser Stelle erwähnen, dass es durchaus Tierärzte gibt, die ein Obligatorium als nicht zielführend erachten. Es gibt also durchaus auch Praktiker, sprich Tierärzte, die sich gegen das Obligatorium aussprechen. Ich habe zumindest solche Zuschriften erhalten.
Immer wieder wurde das Argument hervorgehoben, dass das Sicherheitsgefühl gestärkt wurde. Wenn es uns mit der Stärkung des Sicherheitsgefühls ernst ist, sollten wir vielleicht endlich die Migrationsströme wieder unter Kontrolle bringen und senken, denn die Leute, mit denen ich spreche, fürchten sich mehr, wenn sie am Abend alleine am Bahnhof unterwegs sind, als wenn ihnen ein Chihuahua entgegenkommt.
Ein Blick in die Evaluation genügt: Es gibt keinen Grund, nicht einen einzigen, um an diesen Kursen festzuhalten. Das hat sich im Bericht bestätigt. Ich nenne drei Argumente, die nicht ich erfunden habe, sondern die direkt aus dem erwähnten Bericht stammen:
1. Es nehmen mehr als 20 Prozent der Hundehalter gar nicht an einem Kurs teil; ich habe es vorhin erwähnt. Höchstwahrscheinlich sind das sogar die Personen, deretwegen das Gesetz eigentlich gemacht wurde.
2. Es gibt auch bezüglich Bissmeldungen keinen Hinweis, dass sich die Zahl seit der Einführung des Kurses verkleinert. Das Gegenteil ist der Fall: In den Kantonen Bern, Zürich und Freiburg gibt es sogar mehr Bissmeldungen als vor dem Obligatorium.
3. Im Bericht wurde festgehalten, dass es im Verhalten keine Unterschiede gibt zwischen Hunden, die einen Kurs absolviert haben, und Hunden, die keinen absolviert haben.
Für mich und die SVP-Fraktion sind dies genügend starke Argumente - das gilt insbesondere für jenes, dass die einst geplante Wirkung nicht erzielt wurde -, um das Obligatorium wieder aufzuheben.
Es hat sich in der Kommission gezeigt, dass nur mit einem riesigen bürokratischen Aufwand dafür gesorgt werden könnte, dass alle Halter den Kurs absolvieren. Dies wäre eventuell machbar, aber wollen wir das wirklich? Wollen wir einen riesig grossen bürokratischen Aufwand betreiben, um alle in einen Kurs zu kriegen, obwohl man weiss, dass der Kurs hinsichtlich der Wirkung absolut nichts bringt? Wir wollen das nicht. Deshalb sprechen wir uns klar für die Abschaffung des Obligatoriums aus.
Mit unserem Minderheitsantrag unterstützen wir die Motion Noser mit ihrer Forderung. Wir unterstützen somit die Aufhebung des Obligatoriums.