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Vonlanthen Beat · Ständerat · 2016-11-29

Vonlanthen Beat · Ständerat · Freiburg · CVP-Fraktion · 2016-11-29

Wortprotokoll

Mit der Motion Bischof sind wir direkt ins Thema eingestiegen. Digitalisierung, Industrie 4.0, Internet of Things, Sharing Economy - zahlreiche neue Begriffe fanden in letzter Zeit Eingang in unser Vokabular. Am letzten World Economic Forum in Davos wurde das Thema grundsätzlich beleuchtet. Die Chancen und Risiken dieser neuen, [PAGE 917] für Wirtschaft und Gesellschaft sehr einschneidenden Entwicklung wurden ausgelotet. Neben den fantastischen Möglichkeiten werden auch immer wieder die Gefahren in den Fokus gerückt. So titelte beispielsweise "20 Minuten" letzten Donnerstag: "Digitalisierung killt bis zu 100 000 KV-Jobs". Es wurde unter anderem ausgeführt, dass es in zehn Jahren jede sechste KV-Stelle nicht mehr geben könnte und sich 130 000 Angestellte weiterbilden müssten.

Das vorliegende Postulat befasst sich gerade mit diesen Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt. Ich will nicht um den Brei herumreden, sondern Ihnen zur Illustration direkt ein konkretes Beispiel nennen: Ende Oktober kündete die Post an, bis 2020 rund 600 traditionelle Postfilialen zu schliessen. Damit wird sich das Filialnetz von heute 1400 auf 800 Poststellen verringern. Zur Begründung für die Umstrukturierung verweist die Post unter anderem auf die Digitalisierung, die zu einem starken Rückgang der Umsätze am Schalter geführt habe. Vom Umbau des Filialnetzes werden in den nächsten Jahren rund 1200 Mitarbeiter betroffen sein.

Der Umbau des Poststellennetzes ist nur eines von vielen Beispielen, die aufzeigen, wie weitreichende Auswirkungen die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt bereits hat. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Infolge des rasanten technologischen Wandels und der zunehmenden Automatisierung werden zahlreiche traditionelle Berufsfelder und Berufsbilder verschwinden. Gemäss einer kürzlich erschienenen Studie zur Digitalisierung der Schweizer Wirtschaft beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Automatisierung bis 2025 in gewissen Branchen 95 Prozent. Das World Economic Forum rechnet in den nächsten fünf Jahren mit dem Wegfall von 5 Millionen Arbeitsplätzen in den Industrieländern. Der Bundesrat hat in seinem im April vorgestellten Strategiepapier "Digitale Schweiz" richtig erkannt, dass die Digitalisierung insbesondere auch eine Herausforderung für die Bildungspolitik auf allen Stufen darstellt.

Mit den neuen Technologien werden in der Arbeitswelt grundlegend andere Qualifikationen verlangt. Für Arbeitnehmer entsteht daraus die Notwendigkeit, sich auf die veränderte Nachfrage durch Weiterbildung oder Umschulung anzupassen. Der Erfolg solcher Massnahmen ist auch für die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen entscheidend. Weder Politik noch Wirtschaft und Wissenschaft haben bereits die richtigen Antworten auf diese verschiedenen Herausforderungen gefunden. Zwar liegt seit einigen Monaten das Strategiepapier "Digitale Schweiz" vor, in dem der Bundesrat sehr allgemein auf die Schaffung neuer Aus- und Weiterbildungsangebote verweist. Zudem kündigt er die gezielte Förderung von Lehrstühlen und Forschungszentren an, die in relevanten Bereichen spezifische Kompetenzen aufbauen sollen. Die konkrete Umsetzungsstrategie scheint allerdings noch wenig entwickelt zu sein, abgesehen von den Massnahmen für den ETH-Bereich. Zur Herausforderung des digitalen Lernens auf der Primar- und Sekundarstufe, in der Berufsbildung sowie zu einer national koordinierten Politik im Bereich der Weiterbildung und Umschulung liegen seitens des Bundesrates noch keine konkreten Angaben vor.

Das Postulat "Digitale Wirtschaft und Arbeitsmarkt" hat zum Ziel, gerade diese Lücke zu schliessen. Der Bundesrat empfiehlt das Postulat zur Annahme und bestätigt damit die Wichtigkeit der formulierten Fragen. Er ist bereit, in Ergänzung zu den bereits laufenden Arbeiten in einem Bericht darauf einzugehen. Für diese positive Aufnahme des Anliegens danke ich Ihnen, sehr geehrter Herr Bundespräsident, bestens. Nur wenn wir antizipativ auf die Herausforderung der Digitalisierung eingehen, können wir den Arbeitnehmern die Angst nehmen und proaktiv unsere Bevölkerung auf den Wandel vorbereiten.