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Bäumle Martin · Nationalrat · 2017-03-02

Bäumle Martin · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2017-03-02

Wortprotokoll

Sie haben absolut Recht: Erstens gab es in der Geschichte schon vor der Menschheit Eiszeiten und Wärmezeiten. Es gab immer Veränderungen der Klimasituation. Der Punkt ist, dass diese Veränderungen sehr oft sehr langsam stattgefunden haben. Und trotzdem: Eine Eiszeit war eine markante Veränderung und hat gerade unsere menschliche Gesellschaft in gewissen Zeiten fast ans Ende getrieben.

Auch in den Zwischenzeiten ist das eben so. Ich habe von einem fragilen Gleichgewicht gesprochen. Es gibt immer kleine Änderungen. Wir wissen, dass auch Vulkanausbrüche, Erdbeben usw. einen Impact auf das Klima haben. Das heisst, dass über eine gewisse Zeit auch langsame Anpassungen, leichte Erhöhungen, leichte Senkungen tatsächlich vorhanden sind. Wir wissen aber heute - und da ist sich die Wissenschaft einig -, dass wir heute in einem ganz anderen Temperaturbereich wären, wenn man nur die natürlichen Effekte, die es eben gibt, berücksichtigen und Temperaturannahmen für die ganzen Kontinente und Ozeane treffen würde. Dazu haben wir Modelle und Daten, und es gibt sehr schöne Grafiken. Wenn Sie die Emissionen, die im letzten Jahrhundert anthropogen hinzugekommen sind, dazunehmen, haben Sie eine hohe Signifikanz dafür, dass die ansteigenden Temperaturen, die wir heute eben sehen, tatsächlich anthropogen verursacht sind.

Es heisst nicht, die Natur verursache überhaupt keine Änderungen. Aber bei den schnellen Impacts und den schnellen Änderungen, die aktuell zu dieser hohen Temperaturverschiebung führen, ist es, ich sage mal, wissenschaftlich zu weit über 80 Prozent nachweisbar, dass höchstwahrscheinlich der Mensch dafür verantwortlich ist. Hundertprozentig sicher werden wir hierüber in 600 Jahren sein. Nur wird es schwierig sein, in 600 Jahren zu entscheiden, dass man vor 600 Jahren hätte handeln sollen; vielleicht reicht es nicht.

Noch ein Wort: Auch die Frage, an wie viel Grad Erwärmung man sich anpassen kann, ist eine Schätzung. Ziel der Massnahmen, die wir treffen wollen, ist, dass die Erwärmung nicht mehr als 1,5 bis 2 Grad beträgt. Man geht davon aus, dass dieser Anpassungsdruck für den Planeten und für die Länder noch machbar und finanzierbar ist. Wenn wir nichts tun und es 4, 6 oder 8 Grad mit den erwähnten Rückkoppelungseffekten geben wird, wird dies in kurzer Zeit massive Veränderungen verursachen. Eine Anpassung darauf können wir nicht mehr finanzieren. Es ist wirklich eine Frage des Zeitraums und der Menge. Wir sind, der Mensch ist - leider, es lässt sich nicht von der Hand weisen, Herr Köppel - zu 80 Prozent oder mehr verantwortlich für den aktuell vonstattengehenden Klimawandel.