Rieder Beat · Ständerat · 2017-03-06
Rieder Beat · Ständerat · Wallis · CVP-Fraktion · 2017-03-06
Wortprotokoll
Wenn man das Verhältnis zwischen Booking.com oder dem dahinterstehenden Priceline-Konzern zu einem einfachen Hotelier anschaut, dann kann man natürlich über den Markt theoretisieren. Man kann evaluieren, ob jetzt eine marktbeherrschende Stellung vorliegt oder nicht. Ich bin nicht dazu berufen. Immerhin hat die letzte Studie ergeben, dass Booking.com in der Schweiz einen Anteil von 73 Prozent am Online-Buchungsmarkt hat. Ob das marktbeherrschend ist oder nicht, weiss ich nicht; das zu beurteilen, überlasse ich dem Rat.
Was ich Ihnen mitgeben kann, ist eine Anfrage, die ich an den Hotelier eines der besten Hotels in der Schweiz gerichtet habe. Er hat mir folgende Mitteilung gemacht: "Wir werden durch Booking.com buchstäblich bevormundet und ausgesaugt. Wenn wir auf der hoteleigenen Website einen günstigeren Preis als bei Booking.com aufschalten, geht es keine fünf Tage, und der Gebietsleiter ruft uns an und verlangt denselben Preis, immer mit der Drohung: 'Ihr verliert sonst den Preferred-Partner-Status!' Wer mehr Kommissionsrabatte gewährt, wird bevorzugt behandelt und gelistet. Sie lenken uns über das Rating: Wer spurt und höhere Kommissionen zahlt, wird besser gelistet; wer nicht spurt, wird schlechter gelistet. Klar ist das ihr Geschäftsmodell, und es ist niemand [PAGE 102] gezwungen mitzumachen. Wenn er das aber nicht tut, dann ist er auf dem heutigen Markt erledigt. Wenn Gäste bei uns ein Zimmer buchen, bekommen wir keine E-Mail-Adressen mehr der Kunden. Booking.com sagt uns, das seien ihre Kunden und nicht mehr unsere Kunden. Kundendaten erhalten wir keine mehr. Jedes Jahr werden wir ein Stück mehr bevormundet. Letzte Woche kam ein Anruf, dass nächstens die Annullationsbedingungen geändert werden. Wie und was geändert wird, wissen wir nicht. Klar ist nur, dass wir folgen und diese AGB akzeptieren müssen. Das Ganze kann nur gestoppt werden, wenn wir über den Preis zurückschlagen können. Wieso sollen wir einem amerikanischen Konzern folgen, der den Takt vorgibt? Switzerland first!" (Heiterkeit)
Das ist eine Position, wie sie mir ein Hotelier aus einem renommierten Tourismusort in der Schweiz mitgeteilt hat. Ich glaube, das sagt mehr als Marktevaluationen über Marktbeherrschung oder Nichtmarktbeherrschung.
Stimmen Sie der Motion zu! Es ist höchste Zeit, dass wir diesen KMU helfen, anständige AGB gegenüber einem Weltkonzern zu erreichen. Wenn wir das nicht machen, werden Sie wahrscheinlich weitere Einschränkungen des Marktes miterleben können.