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Heim Bea · Nationalrat · 2017-03-07

Heim Bea · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-03-07

Wortprotokoll

Wenn ich hier im Saal über ältere Erwerbslose spreche, sagen Sie, Herr Bundesrat, gewöhnlich zu mir: "Frau Heim, wir haben doch eine gute Integration! In wenigen Ländern sind die älteren Arbeitenden in der Zahl integriert, wie sie es in der Schweiz sind." Ja, das stimmt. Aber wenn Sie sich jetzt die vielen Leute vorstellen, die ihre Arbeit verloren haben - mit 45, 50 beginnt auf dem Arbeitsmarkt schon das Altsein -, und Sie denen diese Antwort geben, werden Sie merken - das haben Sie vermutlich auch schon an den zwei runden Tischen gemerkt -, dass Sie langen Gesichtern begegnen, weil das kein Trost ist.

Nun können Sie sagen, es seien ja nicht so viele. Doch, Herr Bundesrat, es sind viele, und die Zahl wächst sehr stark! Wir haben hier einmal einen Bericht der OECD erhalten. Diese sagt auch, die Schweiz müsse dringend handeln. Ich möchte nicht so weit gehen und sagen: Was sollen die runden Tische? Die runden Tische sind okay. Man muss miteinander einen Weg finden. Die runden Tische müssen nun aber langsam zu Taten führen.

Das ist eigentlich der Inhalt dieses Postulates. Es sagt: Wir brauchen eine nationale Strategie zur Verbesserung der Beschäftigungschancen jener, die ihre Arbeit verloren haben, die sie häufig wegen ihres Alters verloren haben, häufig auch deshalb, weil ihre Qualifikation nicht mehr dem entspricht, was das Unternehmen braucht. Was im Rahmen der Digitalisierung, der Revolution 4.0 gebraucht wird, das bringen sie nicht mehr mit. Da können ja die Leute nichts dafür. Ich lese im Jahresbericht der Swisscom, dass sie nur gerade 3,6 Stunden Weiterbildung pro Arbeitskraft notiert. Das ist herzlich wenig und wohl kaum eine Chance für ältere Leute, sich auf die Digitalisierung so einzustellen, dass sie die nötige Qualifikation mitbringen.

Deshalb empfiehlt ja auch der OECD-Bericht, dass man professionelles Coaching macht, dass man Langzeitarbeitslose besser betreut und den Ausgesteuerten einen Zugang zu arbeitsmarktlichen Massnahmen wirklich gewährt. Sie haben mir selber bestätigt, dass wir eine Erwerbslosenstatistik haben, die eigentlich schon Leute, die ein bis zwei Stunden pro Woche Erwerbsarbeit haben, als nicht mehr arbeitslos registriert. Also sind die Zahlen, die wir kennen, völlig verfälscht, und das Ausmass der Leute, die keine Arbeit haben, ist grösser, als wir meinen; das Ausmass der Leute, die keinen Erwerb haben, die quasi aus dem Arbeitsmarkt ins Nichts oder bald ins Nichts ausgestossen werden, schlussendlich ausgesteuert werden, schlussendlich bei der Sozialhilfe landen und oft den Sinn des Lebens infrage stellen, weil sie nicht mehr integriert sind, weil sie keine Erwerbsarbeit mehr haben.

Das ist eine Situation, die der Schweiz unwürdig ist, und deshalb bitte ich Sie, diesem Postulat, das eine nationale Strategie zur Verbesserung der Beschäftigungschancen erwerbsloser älterer Menschen im Arbeitsmarkt verlangt, zuzustimmen.