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Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · 2017-05-02

Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · Zürich · CVP-Fraktion · 2017-05-02

Wortprotokoll

Ich habe meinen Vorstoss vor knapp zwei Jahren eingereicht. In der Zwischenzeit bin ich noch überzeugter als damals, dass sich der Bund intensiver mit der frühkindlichen Förderung befassen muss. Es ist zwar richtig, dass die Kompetenz für den Bereich der frühen Förderung bei den Kantonen und Gemeinden liegt. Ein Bericht des Bundesrates, wie ich ihn mit diesem Postulat verlange, tangiert diese Kompetenzordnung jedoch nicht, sondern soll Synergien aufzeigen und eine Stärkung von Vernetzung, Koordination und Kooperation zwischen den zahlreichen Akteuren und Anbietern von frühkindlicher Förderung ermöglichen.

Investitionen in die frühe Kindheit machen sich in jedem Fall bezahlt. Investitionen in die frühe Förderung aller Kinder sind unter dem Strich insbesondere auch um ein Vielfaches kostengünstiger als spätere "Reparaturmassnahmen" wie beispielsweise sonderpädagogische Massnahmen. "Frühe Förderung" beinhaltet nicht nur die Betreuung der Kinder, sondern auch die Unterstützung und Beratung der Familien als Ganzen bzw. der Eltern. Die Familien werden so gestärkt. Qualitativ gute Kinderbetreuungsangebote sowie Unterstützungs- und Beratungsangebote für Eltern helfen diesen zudem, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Es ist in jüngster Zeit viel von der Digitalisierung, von der vierten industriellen Revolution oder von der Industrie 4.0 die Rede. Für die digitalisierte Wirtschaft braucht es kompetente Fachkräfte, die schon früh gelernt haben, richtig mit den Geräten umzugehen. Handwerklich bietet ja nun der Lehrplan 21 den Ansatz für die Schulen. Aber die sozialen Kompetenzen für den Umgang mit den neuen Medien - die Basis für die künftige Medienkompetenz - erarbeiten sich die Kinder nicht erst in der Schule. Wichtig ist auch hier die frühkindliche Phase. Tatsache ist, dass bereits heute immer mehr Eltern ihre Kinder früh mit Tablets spielen lassen. Ob das erzieherisch richtig oder falsch ist, daran scheiden sich die Geister. Aber es ist eine Tatsache. Wenn die sozial schlechtergestellten Kreise nicht von vornherein durch die Digitalisierung abgehängt werden sollen, sind eine frühzeitige Erfassung und Vermittlung von Medienkompetenz, die Hinführung zur digitalen Ausbildung in der Schule und zum Umgang mit der digitalen Kommunikation bereits ab dem Vorschulalter wichtig. Aktuell ist auch das Thema Sprachförderung und Integration ins Schweizer Bildungssystem.

Unbestritten ist, dass der Grundstein für späteren Bildungserfolg im frühen Kindesalter gelegt wird. Wenn hier investiert wird, indem auf unterschiedliche Kompetenzen der Kinder eingegangen wird und diese gefördert und angemessen betreut werden, dann lohnt sich das, und es schafft die dringend notwendige Chancengerechtigkeit. Frühe Förderung ist so auch ein effektives Instrument der Armutsprävention.

Wenn Sie mit mir nicht einverstanden sind und an meinen Aussagen zweifeln, dann nehmen Sie das Postulat an! Denn genau in diesem Sinne soll der Bundesrat in einem Bericht darlegen, wie er das Anliegen beurteilt und welche Lösungsansätze er zusammen mit den Kantonen und privaten Organisationen sieht.