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Allemann Evi · Nationalrat · 2017-06-01

Allemann Evi · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-06-01

Wortprotokoll

Meine Kollegin Nadine Masshardt hat umfassend begründet, weshalb sie diese parlamentarische Initiative eingereicht hat. Es geht, kurz zusammengefasst, darum, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie deutlich zu verbessern. Es soll ein Rechtsanspruch auf Pensenreduktion gewährt werden. Das ist heute im Bundespersonalrecht schon so geregelt. Nun soll das - mit einer grosszügigen Ausnahmeregelung für kleinere Unternehmen - für alle gelten.

Es ist also keine revolutionäre Forderung, es ist eine konkrete Forderung, die auf Bundesebene bereits Wirkung gezeigt hat. Die ersten Erfahrungen beim Bund sind positiv. Gerade in den höheren Lohnklassen waren es mehr Männer als Frauen, die im ersten Jahr des neu geltenden Rechts von dieser Regelung Gebrauch gemacht haben.

Die Minderheit Ihrer Kommission erachtet diese relativ einfach umsetzbare Forderung als gleichstellungspolitisch zentral. Damit gibt man den Vätern real die Möglichkeit, sich stärker in der Kinderbetreuung zu engagieren. Das ist wichtig dafür, dass sich weniger Mütter aus der Arbeitswelt verabschieden oder ihr Pensum massiv reduzieren, teils so massiv, dass am Schluss die Möglichkeiten, in Führungspositionen zu arbeiten, kaum mehr vorhanden sind.

Wir stellen auch fest, dass heute Wunsch und Realität nicht in Übereinstimmung stehen. Viele junge Väter haben durchaus das Bedürfnis, ihr Pensum zu reduzieren, aber oft nicht die Möglichkeit, das auch wirklich zu tun. Es besteht deshalb hier Handlungsbedarf. Der Verbleib der Frauen im Arbeitsmarkt und das stärkere Engagement der Väter im Familienleben sind auch volkswirtschaftlich sinnvoll und wirken dem Fachkräftemangel entgegen. Es ist heute ja breit anerkannt, dass man Frauen vermehrt in den Arbeitsprozess einbinden soll, damit weniger Arbeitskräfte im Ausland rekrutiert [PAGE 882] werden müssen. Das gelingt aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört nach Ansicht der Minderheit Verschiedenes: die Lohngleichheit, der Elternurlaub, ein genügendes Angebot an Kitaplätzen etwa, aber eben auch die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. Auch im Bericht des Bundesrates mit dem Titel "Familienpolitik. Auslegeordnung und Handlungsoptionen des Bundes", der im Mai 2015 publiziert wurde, wird empfohlen, die Massnahme, die Kollegin Masshardt vorschlägt, vertieft zu prüfen.

Ich beantrage Ihnen hiermit im Namen der Minderheit, der parlamentarischen Initiative in der ersten Phase Folge zu geben.