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Studer Heiner · Nationalrat · 2002-04-15

Studer Heiner · Nationalrat · Aargau · Evangelische und Unabhängige Fraktion · 2002-04-15

Wortprotokoll

Die Mehrheit der evangelischen und unabhängigen Fraktion, die aus den Vertretern der EVP besteht, hat in diesem Bereich folgende Haltung: Uns ist wichtig, dass wir hier gerade auch familienpolitisch einen wirkungsvollen Schritt tun können.

Das möchte ich Ihnen gerade an einem aktuellen Beispiel aus einer Organisation zeigen, deren Vorsitzender ich bin; wir sprechen ja über die Realität, die wir besonders kennen. Ich habe eine ausgezeichnete Mitarbeiterin - Anfang dreissig -, und die wurde erfreulicherweise schwanger. Ihr Mann und sie entschieden miteinander, dass er sein Arbeitspensum reduziert und dass sie neben dem bewussten Mutterwerden teilzeitlich auch einen sinnvollen beruflichen Auftrag ausführt. Heute besteht das Risiko, dass in einem solchen Fall einfach beide die Dummen sind, wenn sie bei ihren Besoldungen nicht so hoch eingestuft sind. Das beschlägt die beiden Fragen des Eintritts und des Koordinationsabzugs.

Ich habe einen anderen Fall aus einer anderen Organisation: Da hat eine Frau in den Vierzigern als Wiedereinsteigerin versucht, sich als Sekretärin einzuarbeiten. Sie ist nicht nur froh darüber, dass sie hier teilberuflich etwas Sinnvolles tun kann, sondern auch darüber, dass sich das dann irgendwie auch auszahlt, wenn sie das AHV-Alter erreicht. Auch hier gab es eine Absprache mit dem Ehemann.

Meine Kinder gehören der Generation der jüngsten Nationalrätin an, die heute gekommen ist - sie kennen sich auch noch, weil sie in Nachbargemeinden leben. Es wird etwas Wesentliches ändern: Wenn die Anträge der Kommissionsmehrheit durchgehen, wird es in einer Reihe von Jahren gar nicht unbedingt so sein, dass mehr Männer als Frauen davon profitieren. Ich kenne aus der Generation meiner Kinder, je länger je mehr Paare, die wieder gemeinsam Familie sein wollen, bei denen der überwiegende Teil des Einkommens eben auch von der Frau erbracht wird, weil in manchen Fällen der Ehemann der bessere Haushalter ist: Das Kochen [PAGE 514] und das Putzen liegen ihm besser. Das ist nicht nur das Privileg der Frauen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich da einiges geändert haben wird, wenn hier in zwanzig Jahren darüber diskutiert wird, wie sich das Verhältnis gestaltet.

Die EVP-Vertreter sind der Meinung, dass wir die in diese Richtung gehende Entwicklung stärken sollten. Und wenn wir das stärken wollen, damit eben gerade auch Ehepaare mit Familien freier und gesicherter verschiedene Varianten wählen können, dann ist - auch aus diesem Gesichtswinkel - der Antrag der Kommissionsmehrheit das Sinnvollste. Es gibt noch viele, viele andere gute Gründe für den Antrag der Kommissionsmehrheit, aber das ist einfach ein Aspekt, der uns wichtig ist.

Wir sind eigentlich enttäuscht, dass angesichts einer Kommissionsmehrheit, die hinter dem Antrag steht, das Abbröckeln in den Fraktionen immer deutlicher wird. Ist es denn nicht so, dass wir bei einer Gesamtbetrachtung der Artikel 2, 7 und 8 feststellen können, dass das, was die Kommissionsmehrheit hier vorschlägt, vielen zusätzlichen Arbeitnehmern echt etwas bringt und auch gesellschaftspolitisch für die nächste Zukunft sinnvoll ist?