Hadorn Philipp · Nationalrat · 2017-06-13
Hadorn Philipp · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-06-13
Wortprotokoll
Die Fahrtauglichkeitsprüfung ist keine Diskriminierung, sie ist eine Chance für die älteren Menschen - sie ist ein Schutz. Die heutige Regelung wurde nicht aus Angst vor der älteren Generation eingeführt, sondern sie ist eine Massnahme zur Verkehrssicherheit im Interesse aller Verkehrsteilnehmer, also auch der älteren Fahrerinnen und Fahrer, aber auch von deren Angehörigen.
Es gibt biologische Fakten: Ich wurde in diesem Jahr 50 Jahre alt, und einer meiner erwachsenen Söhne glaubte festzustellen, dass ich vor zehn Jahren schon noch fitter gewesen sei. Die biologische Uhr tickt bei jedem Menschen: Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit, Geschwindigkeit und auch Reaktionsgeschwindigkeit nehmen mit zunehmendem Alter - nach Überschreitung eines gewissen Zenits - ab.
Das ist nicht weiter tragisch. Das Pensionsalter mit der Aufgabe der Erwerbstätigkeit - hoffentlich auch mit einer Rente, die ein Leben in Würde ermöglicht - soll gerade dem Sachverhalt Rechnung tragen, dass wir mit zunehmendem Alter [PAGE 1057] für vieles ein wenig mehr Zeit brauchen. Das ist auch gut so. Mit welchem Alter eine Person noch in der Lage ist, ein Motorfahrzeug zu lenken, ist individuell verschieden, und dem soll ebenfalls Rechnung getragen werden. Die heutige Regelung, mit 70 Jahren die Fahrtüchtigkeit zu prüfen, ist sinnvoll und bietet die Chance, die Situation durch einen Blick von aussen zu beurteilen.
All die Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit der vergangenen Jahre tragen Früchte: Trotz mehr Verkehr sind unsere Strassen sicherer geworden. Die Fahrtauglichkeitsprüfung ist ein Bestandteil davon und im Interesse aller - wirklich aller. Ausweisentzüge haben bei den Betagten massiv zugenommen: Es gibt täglich acht Ausweisentzüge bei Seniorinnen und Senioren, davon drei in der Altersgruppe jener, die nun unkontrolliert weiterfahren können sollen - und die Entzüge werden sich noch häufen, wenn diese Personen den Ausweis nicht freiwillig abgeben. Einige Kantone haben auch ihr Unverständnis über diese Massnahme - die Heraufsetzung der Altersgrenze - geäussert.
Kennen Sie auch spannende, nicht ganz einfache Gespräche mit Ihren Eltern über die Frage, ob sie ihren Ausweis weiterhin behalten möchten? Ich erinnere mich sehr gut daran. Ich bin mir sicher, dass ein Nachdenken mit einer Fachperson diesem sensiblen Prozess dienlich sein wird. Diese Aussenbeurteilung ist eine Chance.
Die SP-Fraktion unterstützt die Minderheit Hardegger. Tun Sie es ihr gleich, im Interesse der Verkehrssicherheit. Es heisst hinschauen, nicht wegschauen - das ist angesagt.