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Günter Paul · Nationalrat · 2002-04-16

Günter Paul · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-04-16

Wortprotokoll

Ich ersuche mit diesem Postulat den Bundesrat, in Zusammenarbeit mit den Kantonen die Errichtung eines Schweizerischen Zentrums für Transplantationsmedizin zu prüfen. Das Zentrum soll gleichzeitig ein Dienstleistungszentrum von höchster Qualität wie auch das Schweizerische Zentrum für angewandte Forschung im Bereich der Transplantation sein.

Heute sind die Kräfte in diesem Bereich zersplittert. Eine Konzentration der Kräfte und Geldmittel könnte erstens für die Patienten noch bessere Resultate bringen, zweitens einen rationellen Einsatz der personellen, materiellen und finanziellen Ressourcen ermöglichen. Wir haben hier die seltene Gelegenheit, dass wir durch eine Zusammenfassung der Kräfte eine bessere Leistung bei gleichzeitig moderateren Kosten erreichen können. Drittens - nicht zu vergessen - könnte unser Land durch eine Zusammenfassung der Kräfte auch in diesem Bereich eine weltweit führende Rolle übernehmen, was heute trotz grossem Einsatz der Kräfte nicht der Fall ist.

Kantonale und universitäre Eitelkeiten haben bis heute ein effektives Zusammenfassen der Kräfte verhindert. Es ist aber auch so, dass die Situation für die eigentliche Transplantation suboptimal ist. Wenn ein geeignetes Organ gefunden worden ist, wird der Normalbetrieb eines Spitals durch den aufwendigen und plötzlich anfallenden Eingriff sehr gestört. Die Transplantation bindet sowohl für die Operation als auch für die nachfolgende Pflege auf der Intensivstation grosse Kräfte. Dadurch wird angesichts der überall angespannten Personalsituation nicht selten der übrige Notfalldienst unserer Universitätsspitäler beeinträchtigt.

Ich erkläre hier nun ausdrücklich auf Wunsch der Ratspräsidentin, die den Vorstoss bekämpft hat, dass ich mir durchaus auch vorstellen kann, dass die Operationen an verschiedenen Orten durchgeführt werden, wenn man eine Aufgabenteilung vornimmt; dass an einem Universitätsspital eben die Herztransplantation gemacht wird, an einem anderen die Lebertransplantation, an einem dritten die Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und Lungenoperation; dass man also auch dezentral eine Koordination der Kräfte herbeiführt. Aber es ist offensichtlich, dass der heutige Zustand, wo jeder alles macht, nicht gut ist.

Ich danke dem Bundesrat, dass er das Postulat in dieser Form annehmen kann. Es ist, wie gesagt, ein Wunsch an den Bundesrat; der Bund ist jetzt ja nach den neuen gesetzlichen Grundlagen für diesen Bereich zuständig, und ich hoffe, dass wir endlich einen Fortschritt erzielen können.