Fetz Anita · Ständerat · 2017-06-15
Fetz Anita · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-06-15
Wortprotokoll
Wie Sie ja schon mehrfach erfahren haben, bin ich sehr für den Tierschutz, aber gegen diese parlamentarische Initiative, und zwar aus folgenden Gründen. Wenn Sie es genauer anschauen, stellen Sie fest, dass hier das Tierschutzargument einfach nicht stichhaltig ist. Die ganze Sache erscheint mir moralisch sogar ein bisschen zwiespältig.
Vielleicht erinnern sich einige noch: Ich bin voll für eine Deklarationspflicht für tierschutzgerechte Fleischimporte. Diese Pflicht wurde aber in den letzten Jahren von diesem Rat sicher mindestens zweimal - ich erinnere mich gut daran - abgelehnt, und zwar "wegen zu hoher administrativer Aufwendungen". Und jetzt wollen Sie für 2 Prozent des importierten Fleisches eine solche Deklaration durchsetzen! Das bringt nichts ausser Aufwand. Dann möchte ich Sie daran erinnern: Es ist nicht so, dass alle Tiere, von denen die insgesamt rund 22 000 Tonnen Fleisch stammen, die wir importieren, tierschutzgerecht behandelt werden! Es gibt neben der Schweiz nur fünf Länder, die eine Betäubungspflicht beim Schlachten kennen: Das sind Liechtenstein, Island, Norwegen, Schweden und Neuseeland. Alle anderen Länder kennen keine Betäubungspflicht beim Schlachten. Beim importierten Fleisch können Sie sich also nicht darauf verlassen, dass dabei tierschutzgerechter geschlachtet wurde als bei Halalfleisch. Auch das ist in diesem Sinn unnötig.
Dann noch ein Wort zur Marktverzerrung: Da habe ich schon in der Kommission einen leichten Lachanfall bekommen. Wie kann man mit 2 Prozent eine Marktverzerrung bewerkstelligen? Ich meine, dass die Preise günstiger sind, ist klar: Beim Halalfleisch wird der Schlachtkörper gezählt, da wird alles zusammengezogen, also nicht nur die Filets, sondern auch Knochen, die Haxen und was halt alles sonst noch in einem Tier ist. Man muss nicht viel von Fleisch verstehen, um beurteilen zu können, dass ein Kilo dieses Fleischs natürlich viel günstiger ist als ein Kilo Filet.
Es bringt also gar nichts, das Problem auf diese Art lösen zu wollen. Oder finden Sie es tierschutzgerechter, wenn man zuerst die Tiere in Lastwagen einsperrt und durch halb Europa karrt, nachher höchstwahrscheinlich ohne Betäubung schlachtet, wenn das z. B. in Deutschland, Italien oder Portugal passiert, und nachher undeklariert in die Schweiz bringt? Nein, wenn wir tierschutzgerechte Importe wollen, dann müssen wir das für alle Fleischimporte machen - sonst bleibt da ein "Geschmäckle", das ich jetzt nicht weiter ausführen will. [PAGE 539]