Germann Hannes · Ständerat · 2017-09-13
Germann Hannes · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2017-09-13
Wortprotokoll
Ich kann das Votum von Kollege Hösli ein Stück weit nachvollziehen. Ich bin in einer anderen Funktion auch Leidtragender einer sogenannten Eignerstrategie. Der Eigner macht die Vorgaben. In diesem Fall ist es der Bundesrat, der Vorgaben an die SBB macht, und darunter gehört unter anderem natürlich auch, dass kosteneffiziente Leistungen angeboten werden. Nun kann ich mir aber nicht vorstellen, dass in dieser definierten Eignerstrategie etwas von Leistungsabbau am Kunden aufgeführt ist respektive etwas, was den Kunden verlorengeht. Das ist genau das Problem, das Dilemma, in dem eigentlich beide bundesnahen Betriebe stecken, die Post und die SBB - Herr Rieder hat es auch gesagt. Dieses Problem zu lösen ist wirklich schwierig.
Als Vertreter des Volkes, das ja eigentlich der Eigner dieser Unternehmen ist, sind wir hier, finde ich, schon gehalten, ihnen auch zu sagen, wie weit sie gehen dürfen und wo wir gewisse Schritte eben nicht als richtig erachten. Jüngstes Beispiel ist dieser Abbau. Wir lesen in den Unterlagen der Kommission, dass 52 SBB-Drittverkaufsstellen geschlossen werden sollen, was Einsparungen von 5 Millionen Franken bringt. Nun ja, 5 Millionen Franken sind viel Geld, aber für ein Unternehmen wie die SBB ist das wahrlich auch kein grosser Wurf. Hingegen gibt es x Leidtragende - Herr Müller hat es auch ausgeführt -, die nachher eben den Verlust an Kundennähe beklagen.
Ich muss Ihnen sagen, am liebsten würde ich mich als Kunde in den Zug setzen und dann dort alles regeln, was nötig ist - solange man den Platz nicht reservieren muss. Es kann ja bei den SBB auch vorkommen, dass man sogar die teuren Fahrten in der ersten Klasse stehend hinter sich bringen muss, was ja wahrlich auch kein Highlight ist. Aber solche Dinge schlucken die schweizerischen Kunden nach wie vor. Da sollten, meine ich, auch die SBB etwas mehr Flair für die Kundenbedürfnisse entwickeln und erkennen, was eben Sache ist in diesem Land, was man will. Und es darf nicht zulasten der Regionen gehen, denn am Schluss findet dieser Verkehr letztlich ja unter monopolähnlichen Bedingungen statt, machen wir uns nichts vor! Ich kann noch gut damit leben, ich habe keine Wahl, ich muss jene Strecken benutzen, die ich brauche, und das sind in der Regel SBB-Strecken; bei anderen mag das anders sein.
Aber hier haben die Kunden einfach einen Service verdient, der ihnen gerecht wird. Die SBB dürfen die elektronischen Möglichkeiten vorantreiben, aber dann soll es bitte möglich sein, dass die Fahrtkosten auch im Zug beglichen werden, statt dass man wie heute jedes Mal dieses GA hinreichen muss! Dieses Hin und Her ist unnötig, man könnte das Ganze auch viel leichter erledigen. Wenn die SBB so weit sind, können wir wieder darüber reden. Dafür ist das Moratorium der Minderheit genau der richtige Ansatz. Es soll ja nur bis 2020 dauern, das ist wahrlich nicht alle Welt. Die SBB und wir alle werden das überleben, und die Kunden, die diese Verkaufsstellen weiter benutzen dürfen, sind Ihnen dankbar dafür - und ich persönlich auch.