Munz Martina · Nationalrat · 2017-09-26
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-09-26
Wortprotokoll
Der Mensch ist, was er isst. Kaum ein anderer Satz bringt die Bedeutung der Ernährung für unsere Identität besser und pointierter zum Ausdruck als der schlichte Satz, dass der Mensch ist, was er isst. Ernährung [PAGE 1575] ist mehr, als den Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Die Ernährung hat soziale, politische, ökologische und kulturelle Dimensionen.
Mit der Umsetzung dieser Initiative übernähmen wir mehr Verantwortung für weltweite landwirtschaftliche Produktionssysteme. Bei gewissem Importfleisch kann uns der Bissen schon mal im Hals stecken bleiben. Was als Schweinsfilet beziehungsweise edles Fleischstück importiert wird, stammt von einem armen Schwein im wörtlichen Sinne, das sein Leben womöglich in tierquälerischer Massentierhaltung verbracht hat und vor der Schlachtung durch halb Europa gekarrt wurde. Die Konsumentinnen und Konsumenten wollen keine solchen Lebensmittel auf dem Teller.
Für in der Schweiz produziertes Fleisch sorgen griffige Tierschutzvorschriften für mehr Genuss. Die Produktionsstandards sind hoch. Die vergleichsweise hohen Auflagen verteuern allerdings auch die Produktion. Warum sollten Importnahrungsmittel nicht dieselben Anforderungen wie einheimische Produkte erfüllen? Die Schweizer Landwirtschaft wird jährlich mit 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen unterstützt. Diese Gelder sind an den Nachweis ökologischer Produktion geknüpft. Warum also sollen Importprodukte nicht ebenfalls ökologische und soziale Standards erfüllen?
Die Einhaltung von minimalen Nachhaltigkeitsstandards wird von inländischen wie auch von ausländischen Nahrungsmitteln verlangt. Damit werden keine ausländischen Produkte diskriminiert, und damit ist die Initiative auch WTO-kompatibel. Konsumentinnen und Konsumenten wollen kein sozial, ökologisch und tierquälerisch belastetes Junkfood essen. Mit der Fair-Food-Initiative verschwinden diese Nahrungsmittel aus den Regalen. Seit Labels wie Max Havelaar und Bio bei den Grossverteilern Einzug gehalten haben, sind viele dieser Produkte auch für das kleine Portemonnaie erschwinglich geworden. Fair produzierte Lebensmittel werden dadurch nicht mehr als Nischenprodukte gehandelt, sondern als Standardprodukte. Das verbilligt sie.
Weltweit gibt es nur vier Länder, in denen die Bevölkerung, gemessen an ihrem Einkommen, weniger für Nahrungsmittel ausgibt als in der Schweiz. 1945 hat man in der Schweiz noch 35 Prozent des Einkommens für Ernährung ausgegeben, heute sind es weniger als 7 Prozent. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns fragen, warum sich die Schweiz als eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt nicht faire Lebensmittel leisten soll, statt weiterhin eine industrielle, umweltzerstörerische Landwirtschaft in Industrie- und Entwicklungsländern zu unterstützen und damit Armut in Drittweltländern zu fördern.
Wichtiges Instrument für die Umsetzung der Initiative ist der Herkunftsnachweis zur Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit. Damit würde endlich Transparenz geschaffen bezüglich Herkunft der Lebensmittel, was einer der vielen Vorteile dieser Initiative ist. Mit den Informationen per Strichcode können schon heute viele gelabelte Produkte bis zum Herkunftsbetrieb zurückverfolgt werden. Gleichzeitig wird damit auch der Produktionsstandard offengelegt. Für die nötigen Kontrollen ist dieses Instrument auf dem Markt bereits erprobt und bewährt.
Die Ernährung hat soziale, politische, ökologische und kulturelle Dimensionen. Ich bitte Sie deshalb, die Initiative zu unterstützen, damit uns die guten Lebensmittel nicht zunehmend bitter schmecken. [GZ]
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Die Beratung dieses Geschäftes wird unterbrochen [GZ]
Le débat sur cet objet est interrompu