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Hösli Werner · Ständerat · 2017-09-27

Hösli Werner · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2017-09-27

Wortprotokoll

Kurz zu meiner Interessenbindung: Kollege Föhn ist bei der Minderheit, weil er mich in der Kommissionssitzung vertreten hat, da ich auf der Glarner Hochjagd war. Aber ich habe ihm gesagt, dass ich ab heute dieses Thema wieder übernehme.

Es ist schon sehr viel gesagt worden. Trotzdem möchte ich möglichst kurz auf drei Punkte hinweisen:

1. Der Sinn unseres demokratischen Systems Schweiz besteht nicht zuletzt vor allem darin, dass das Parlament nicht immer dem Bundesrat und der Verwaltung folgt. So geschehen auch mit der Annahme der Motion Fournier in dieser Sache, welche den Bundesrat beauftragte, in der Berner Konvention einen Schweizer Vorbehalt betreffend Wolfsschutz auszuhandeln. Sollte dies nicht gelingen - so die Motion -, sei die Berner Konvention zu kündigen, um dann bei einer erneuten Ratifikation die gewünschten Anpassungen vornehmen zu können.

Das wurde damals vom Bundesrat einfach ignoriert. Er nahm die Führungsverantwortung nicht wahr und hörte zu stark auf die Schwarzmaler in der Bundesverwaltung. Es zeugt von Schwäche des Parlamentes, dass wir das einfach so mit uns geschehen liessen. Da geht es nicht einmal in erster Linie um den Schutz oder Nichtschutz des Wolfes, sondern vielmehr um die Akzeptanz und Sicherstellung der politischen Ordnung. Nicht die Verwaltung hat dem Bundesrat verbindliche Aufträge zu erteilen, sondern das Parlament. Daran möchte ich festhalten.

Ich habe es in dieser Sache schon einmal gesagt: Die Schweiz kann im äussersten Fall auch ohne Berner Konvention problemlos einen rechtschaffenen und verhältnismässigen Umgang mit den wildlebenden Tieren und Pflanzen im wahrsten Sinne des Wortes pflegen.

2. Ich weiss nicht, wie viele Schreiben in Sachen Wolfsschutz ich vom Schweizer Tierschutz schon erhalten habe. Es dürften bald einmal gegen zehn sein. Allein die Tatsache, dass sich der Tierschutz - und ich wiederhole: der Tierschutz - in dieser Vehemenz für die Ausbreitung des Wolfes und damit für eigentliche Massaker bei friedlichen Schafherden einsetzt, bei denen die Tiere nach Wolfsangriffen teilweise mit heraushängenden Gedärmen und schweren Bisswunden elendiglich verenden oder hochträchtige Muttertiere samt den Jungen ebenfalls so verenden, macht mich mehr als stutzig. Da missbrauchen meiner Meinung nach Ideologen ihre Funktion; dies umso mehr, als in diesen Schreiben stets darauf verwiesen wird, wie wichtig eine möglichst grosse Wolfspopulation für das Ökosystem sei. Dadurch werde der Druck auf die übrigen Wildtiere wie Hirsch und Reh verstärkt, was Verbissschäden in den Wäldern verhindere.

Wer sich nur ein bisschen mit diesen Wildtieren beschäftigt, weiss, dass Reh und Hirsch bei lauernden Gefahren viel weniger auf die freien Grasweiden und offenen [PAGE 739] Alpenhänge austreten. Ihre Nahrungsaufnahme findet dann vermehrt im Schutz des Jungwuchses und Unterholzes statt. Die Verbissschäden werden dadurch also nicht vermindert, sondern eher vergrössert, es sei denn, man wolle lieber den Wolf als Reh und Hirsch in unseren Wäldern.

Den scheinbar vorhandenen Reh- und Hirschgegnern darf doch auch einmal gesagt sein, dass sich die Naturverjüngung im Wald in den vergangenen dreissig Jahren beinahe verdoppelt hat, die Waldfläche laufend und teils fast dramatisch zunimmt und sich wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb die Zahl der Waldvogelarten seit 1990 wieder vermehrt. Die Verbuschung wegen nicht mehr beweideter Alpweiden ist zu einem Problem geworden. Also abzuleiten, unser Ökosystem und unser Wald bräuchten den Wolf, ist eine sehr tendenziöse Aussage, um nicht zu sagen eine Falschaussage. Es ist nicht einmal ganz sicher, ob unser Wald all die vielen Forstingenieure in unseren Amtsstuben braucht. Aber das wäre wieder ein anderes Thema.

3. Den Wolf möglichst rasch jagdbar machen heisst nicht "ausrotten", sondern sich vorbereiten. Professor Valerius Geist wurde in der Ukraine geboren, praktizierte als Verhaltensforscher und Professor für Umweltwissenschaften und verbrachte sein Leben mit der Beobachtung von Wildschafen, Bergziegen, Elchen und Wölfen. Er sagt, der harmlose Wolf sei eine Legende. Der Wolf sei weder Schmusekätzchen noch Bestie, sondern er bleibe ein Raubtier. Und er erzählt von Vorfällen, in denen gesunde und gutgenährte Wölfe Hunde, Kinder und Frauen in Dorfnähe angefallen und teilweise auch getötet haben.

Als Fazit sagt er über den Wolf: "Wölfe sind nicht harmlos. Sie sind weder gut noch böse, sie sind wild und damit nicht berechenbar. Wer sie in der Nähe von Menschen duldet, geht ein Risiko ein. Es ist eine grosse Dummheit, sich über einen Wolf zu freuen, der am Rand eines Ortes herumschleicht. In Rumänien ... kommt es deshalb so selten zu heftigen Begegnungen, weil Menschen die Tiere verjagen, sobald die sich nähern. Nicht in allen Fällen bleibt das Gewehr im Schrank. Man muss Wölfen, die ihre Scheu aufgeben, einen Grund liefern, sich wieder scheu zu verhalten. Der beste Grund ist ein Mensch, der seine eigenen Reviergrenzen ernster nimmt als die der Wölfe - und notfalls auf sie schiesst."

Ich meine, wir täten gut daran, hier vorausschauend zu handeln und den penetranten Ideologien mit realistischer Prävention zu antworten und entgegenzutreten sowie auch zu manifestieren, dass die Aufträge des Parlamentes über den Wünschen der Verwaltung stehen. Das sollten wir nicht gemäss dem biblischen Satz "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe" erst bei der Jagdgesetzrevision tun - nein, hier und heute!

In diesem Sinne unterstütze ich mit Überzeugung die Standesinitiative Wallis.