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Schmid Samuel · Bundesrat · 2002-06-10

Schmid Samuel · Bundesrat · Bern · 2002-06-10

Wortprotokoll

Ich ersuche Sie ebenfalls, den Antrag Schneider abzulehnen. Sehen Sie, Herr Schneider hat in verschiedenen Punkten absolut Recht. Ich hätte es auch lieber, wenn diese Ausbildungserfahrung verlängert werden könnte. Ich bitte Sie aber wiederum zu bedenken: Sie blenden damit die Realität aus, denn in der Realität bekommen wir die Leute nicht, und wir können sie nicht zwingen, Leutnant zu werden.

Wir sprachen von den Studenten, die "nur" die Rekrutenschule machen. Dort war es sehr wichtig, dass fraktioniert wird - einverstanden: selbst wenn das wenige Prozent sind. Jetzt sprechen wir hier auch von Studenten, aber ich kann auch von Kadern in Gewerbe- und Industriebetrieben sprechen. Was ich aus diesen Betrieben höre, ist Folgendes: Lassen Sie uns das Ganze möglichst am Stück absolvieren, damit wir anschliessend neben den Wiederholungskursen möglichst frei sind.

Ich habe auch zehn Jahre lang einen Gewerbeverband präsidiert, ich habe mich auch als Truppenkommandant immer dafür eingesetzt, dass Leute aus diesen Betrieben entsprechend weitermachen. Aber hier war das Echo absolut eindeutig. Ich weiss, dass Sie sich persönlich - wenn ich das überhaupt sagen darf - in hervorragender Weise dafür einsetzen, dass die Industrie ihre Leute zur Verfügung stellt. Aber wenn ich die grosse Zahl ansehe, sehe ich, dass hier eben Lücken bestehen, weil unser Angebot nicht mit den Bedürfnissen übereinstimmt und ich die Leute in diesem Grad nicht zwingen kann. Jetzt muss ich gewisse Konzessionen machen. Das hat einen Preis, das ist so.

Aber die Alternative - hat Herr Banga errechnet - beträgt mit Sicherheit wesentlich mehr als 53 Wochen. Sie ist mit Sicherheit nicht in einem Jahr zu absolvieren. Sie führt gerade bei Studierenden - die nicht mehr, wie wir das früher hatten, Blocksemester und dann Prüfungssemester haben, sondern die permanent in Prüfungen stehen - dazu, dass sie nicht mehr kommen. Die Universitäten sagen uns ganz klar: Was nicht vor Studienbeginn absolviert werden kann, das ist verloren. Das sind die Auskünfte, die wir von den Universitäten erhalten.

Deshalb bin ich der Überzeugung - obwohl mir dieser Schritt auch weh tut, da gebe ich Ihnen absolut Recht -, dass das aber angesichts der heutigen Möglichkeit die Variante ist, die diesem Prinzip nach wie vor Rechnung trägt und die auf der anderen Seite milizverträglich ist, um genau diese Miliz in die Kaderlaufbahnen zu bringen. Das geht später weiter, indem wir auch die Kaderlaufbahn besser auf die zivilen Bedürfnisse abstimmen.

Vielleicht noch etwas zur Akzeptanz der Führung: Das ist sehr wichtig, aber aufgrund meiner Erfahrung ist es mir neu, dass die Akzeptanz - allenfalls meiner Führung - davon herrührt, dass ich besonders viele Wochen Dienst geleistet habe. Das ist eine Frage der Persönlichkeit, das ist eine Frage der Art und Weise, wie diese Persönlichkeit gegenüber ihren Leuten auftritt, und damit steigt auch die Akzeptanz.

Insgesamt trägt diese Konzeption der höheren Milizverträglichkeit Rechnung. Das hat einen Preis, dem stimme ich zu. Aber ich bitte Sie, genau diese Kader - die Leutnants, Frauen und Männer -, die diese Zugführung akzeptieren wollen, die wir später brauchen, um als Milizkommandanten in die Stäbe zu kommen, nicht so zu belasten, dass wir sie nicht mehr rekrutieren können. Das hat einen Preis. Wir glauben mindestens, mit diesem System hier eine wesentlich milizverträglichere Variante vorzuschlagen, als dies der heutige Weg ist, aber auch als es der Antrag Schneider ist.

Deshalb bitte ich Sie, den Antrag Schneider abzulehnen.