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Grossen Jürg · Nationalrat · 2018-03-08

Grossen Jürg · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2018-03-08

Wortprotokoll

Von einem Älpler aus dem Berner Oberland zum nächsten: Es geht hier nicht um Sömmerungsflächen, sondern um Strom. Mit meinem Vorstoss verlange ich eine Übersicht über den jährlichen Stromverbrauch von Elektroboilern, Speicherheizungen, Wärmepumpen, Pumpspeichern und so weiter in der Schweiz. Warum tue ich das?

Dieses Anliegen ist im Zusammenhang mit der beschlossenen Energiestrategie 2050 und dem Erreichen der Ziele, die damit verbunden sind, und der notwendigen Intelligenz, die das Stromnetz braucht, dem sogenannten Smart Grid, von zentraler Bedeutung. Ich persönlich schätze den Verbrauch für diese sogenannten steuerbaren Verbraucher oder Geräte in Haushalten oder Unternehmen auf etwa sage und schreibe 15 bis 20 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs. Die genannten Verbraucher werden seit Jahrzehnten in der Schweiz von den Elektrizitätswerken zeitlich gesteuert. Dieses sinnvolle und weltweit vorbildliche System wurde zusammen mit den zentralen Kraftwerken, vor allem den AKW, aufgebaut, um die Stromproduktion und den Verbrauch optimal ins Gleichgewicht zu bringen und so zu halten. Stromverbraucher wie Wärmespeicher, Elektroboiler, aber auch Wärmepumpen oder Elektrospeicherheizungen sind dafür bestens geeignet und haben sich bewährt. Strom ist ein Just-in-time-Produkt. Das heisst, es muss genau zu dem Zeitpunkt so viel produziert werden, wie zu dem Zeitpunkt auch verbraucht wird. Deshalb ist es zentral, für den Weg in eine dezentrale Stromzukunft eine transparente Übersicht über steuerbare Verbraucher zu erhalten.

Frau Bundesrätin, ich zeige Ihnen hier eine Vielzahl von Formularen, welche dazu dienen, dass die Elektroplaner und die Elektriker jeweils eine Anmeldung beim Elektrizitätswerk machen müssen und all diese steuerbaren Verbraucher ganz exakt auf jedes Kilowatt genau angeben müssen. Das ist wichtig. Das muss man machen. Diese Daten sind vorhanden. Die Zahlen sind also bei den Elektrizitätswerken, aber auch bei den Netzbetreibern im Detail vorhanden. In Zukunft werden diese steuerbaren Lasten mit sogenannten Smart Grids und mit sogenanntem Demand Side Management, also nachfrageorientierter Steuerung, optimal mit der Produktion von erneuerbarem Strom, mit Fotovoltaik, Wind und Wasser in Einklang gebracht. Das wird jetzt anders. Dafür braucht es ein [PAGE 314] Konzept, und dieses wiederum bedingt verlässliche Grundlagen.

Deshalb verlange ich weiter, im Bericht zum Postulat aufzuzeigen oder abzuschätzen, wie viel jährlicher Stromverbrauch von den Konsumentinnen und Konsumenten absichtlich in Niedertarifzeiten geschoben wird; ich denke zum Beispiel an die zeitlich programmierbaren Waschmaschinen, Geschirrspüler und Industriemaschinen. Aus diesen Erhebungen kann der natürliche, ungesteuerte Stromverbrauch der Schweiz für typische Nächte, Tage, Wochen, aber auch Jahreszeiten abgeleitet werden.

Der Bericht soll aufgrund dieser Erkenntnisse zuverlässige Aussagen zu den Chancen und Risiken von weniger Bandstrom im Schweizer Stromnetz machen und aufzeigen, welche allfälligen Massnahmen mittel- und langfristig ohne Schweizer Atomkraft im Bandenergiebereich sinnvoll oder notwendig werden. Nur auf dieser Basis können künftig die richtigen Investitionsentscheide zu Stromproduktionsanlagen, aber auch zu Steuersystemen gefällt werden.

Frau Bundesrätin, Sie weisen in Ihrer Stellungnahme auf vorhandene Berichte hin. Die gibt es, das ist richtig. Sie schreiben als Fazit: "Es liegen jedoch keine belastbaren Daten zu den heute mittels Steuerung verschobenen Lasten vor." Trotzdem wollen Sie zu diesem Thema keine weiteren Daten erheben und keinen Bericht machen. Das ist für mich völlig unverständlich. Ich bin Fachmann auf diesem Gebiet, habe eine Elektroplanungsfirma und weiss ein bisschen, wie man die ganze Sache mit dem Stromverbrauch und der Produktion im Einklang hält. Meines Erachtens könnten die geforderten belastbaren Daten relativ einfach erhoben werden und, wo nötig, mit Stichproben und Hochrechnungen erhärtet werden. Das bestätigen mir auch viele Energiefachleute.

Ich bitte Sie daher, dieses Postulat anzunehmen und damit der Schweiz einen wichtigen Schritt auf dem Weg in die dezentrale Stromzukunft zu ermöglichen.