Munz Martina · Nationalrat · 2018-03-15
Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2018-03-15
Wortprotokoll
In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 liquidierten die Nationalsozialisten im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau das sogenannte Zigeunerfamilienlager. Die letzten Sinti- und Roma-Häftlinge des Konzentrationslagers wurden in dieser Nacht ermordet. Es waren fast 3000 Menschen, vor allem Frauen und Kinder.
Im April 2015 erklärte das Europäische Parlament den 2. August zum Roma Holocaust Memorial Day, im Gedenken an die mindestens 500 000 Roma und Sinti, die während des Zweiten Weltkriegs systematisch ermordet wurden.
In der Schweiz ist die Verfolgungsgeschichte der Roma und Sinti wenig bekannt, unter anderem, weil dies nicht zum obligatorischen Schulstoff gehört. Als Folge davon leiden Roma und Sinti auch in der Gegenwart noch immer unter Klischees und Vorurteilen. Mit dem Roma Holocaust Memorial Day erhoffen sich die Roma ein Zeichen gegen die anhaltende Diskriminierung und Stigmatisierung ihrer Minderheit. Dieses Zeichen ist auch in der Schweiz nötig.
Vor dem Hintergrund, dass von den Nationalsozialisten viele Minderheiten wie Juden, Roma, Sinti, Jenische, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle usw. verfolgt wurden, kann ich die Argumentation des Bundesrates nachvollziehen, dass am 27. Januar aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden soll, so, wie das auch in den meisten anderen europäischen Ländern der Fall ist. Auch vor diesem Hintergrund hat es mich sehr gefreut, dass der Bundesrat in seiner Rede zum 27. Januar dieses Jahres erstmals auch die Sinti und Roma erwähnt hat. Ebenso wurde in der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) unter dem Schweizer Vorsitz eine Strategie verabschiedet, welche die Erinnerung und das Gedenken an den Roma-Holocaust in den IHRA-Mitgliedstaaten stärker fördern soll.
Es freut mich, dass sich der Bundesrat der Notwendigkeit bewusst ist, die Kultur und Geschichte der Roma, der Sinti und der Jenischen besser bekanntzumachen, und mit dem Aktionsplan "Jenische, Sinti, Roma" Sensibilisierungsprojekte in Schulen vorsieht. Diese Sensibilisierungskampagne ist wichtig, da diese Minderheiten heute in der Schweiz und in Europa wieder verstärkt Diskriminierungen, Hassreden oder physischen Übergriffen ausgesetzt sind.
Ich hoffe, dass der Aktionsplan ein Zeichen gegen die Diskriminierung und Stigmatisierung dieser Minderheiten setzt und die geplanten Massnahmen auch umgesetzt werden. Ich danke dem Bundesrat für den Aktionsplan und ziehe meine Motion zurück.