Gadient Brigitta M. · Nationalrat · 2002-06-19
Gadient Brigitta M. · Nationalrat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2002-06-19
Wortprotokoll
Namens der SVP-Fraktion beantrage ich Ihnen, diesem Bundesbeschluss zuzustimmen.
Wieder ein Beitrag für ein Grossprojekt - und dann noch für den Fussball, wo solche Anlässe eigentlich in der Regel kostendeckend sind -, und das noch in der heutigen finanziellen Situation! Warum stimmt die SVP-Fraktion trotzdem klar zu? Ganz einfach, weil dieser Anlass eine grosse Bedeutung für unser Land hat, und zwar nicht nur für einige wenige, sondern für das ganze Land. Der Betrag ist nicht besonders hoch, aber er kann unendlich viel auslösen: Politisch, sozial, kulturell und nicht zuletzt auch ökonomisch. Als Wirtschafts- und Tourismusstandort ist die Schweiz in hohem Masse mit Europa verflochten und hat natürlich ein grosses Interesse an der wirkungsvollen Promotion dieses Standortes.
Der vorgesehene Beitrag an die Organisationskosten einer Fussball-Europameisterschaft, der im Übrigen erst freigegeben wird, wenn die Uefa sich für diese Kandidatur entscheidet - für die Kandidatur selber ist keine finanzielle Beteiligung des Bundes vorgesehen -, ist aber auch eine politische Aussage unseres Landes: Es ist eine Aussage von Staat und Politik für eine breite Öffentlichkeit in Europa, aber auch für am Fussball interessierte Kreise rund um den Globus, und das sind ja nicht wenige - auf die laufende [PAGE 1044] Fussball-Weltmeisterschaft brauche ich nicht näher einzugehen.
Der Anlass bringt uns einerseits eine Plattform, um unsere Institutionen und Kulturen anderen Völkern näher zu bringen, er fördert andererseits aber auch unser Image in der internationalen Staatengemeinschaft. Der Anlass dient überdies durch das grenzüberschreitende Zusammenspiel mit Österreich nicht zuletzt dem Ausbau der freundschaftlichen Zusammenarbeit mit unserem Nachbarland, mit dem wir ja viele Gemeinsamkeiten haben.
Der Beitrag der Schweiz wird zudem zielgerichtet eingesetzt und ist fair, zukunftsorientiert und partnerschaftlich konzipiert:
1. Er ist fair, weil der Beitrag an den Um- bzw. Neubau der Stadien auch dem schweizerischen Sport ganz allgemein zugute kommt und damit im breiten Interesse liegt und zudem mit weltweiter Wirkung Werbung für fairen Sport gemacht werden kann.
2. Er ist zukunftsorientiert, weil der Beitrag für Gesundheitsförderung und soziale Integration einen bedeutenden Schwerpunkt setzt, sowohl in Anbetracht der gesundheitsfördernden und präventiven Wirkung von Sport allgemein, als auch weil gerade der Fussball die Chance bietet zur Integration ganz unterschiedlicher Gesellschaftsschichten und insbesondere der ausländischen Bevölkerung in unserem Land.
3. Er ist partnerschaftlich durch die nicht in Rechnung gestellten Leistungen, denn ein solcher Anlass braucht eine gemeinsame Verantwortung und entsprechende Unterstützung und Zusammenarbeit. Er muss von Behörden, Politik und breiten Kreisen der Bevölkerung mitgetragen werden, dies auch als wichtiges Zeichen für eine erfolgreiche Kandidatur.
Fazit: Der Bundesbeitrag ist gut investiert mit Blick auf drei "i": Interesse, Image und Integration. Das grosse Interesse der breiten Öffentlichkeit, unser Image im Ausland und neue Impulse für die Integration in unserem Land - oder mit anderen Worten: Alles spricht für die finanzielle Unterstützung von Euro 2008.
Dem VBS und dem Bundesamt für Sport gebührt ein Kompliment für die gute Vorarbeit und das glaubwürdige und zweckmässige Konzept.
Die erstmalige Durchführung einer Fussball-Europameisterschaft auf dem Gebiet der Schweiz ist nicht nur eine grosse Herausforderung, sondern auch eine einmalige Chance für unser Land. Packen wir sie!