Bigler Hans-Ulrich · Nationalrat · 2018-09-26
Bigler Hans-Ulrich · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2018-09-26
Wortprotokoll
Mit der Kommissionsmotion 18.3392, "Höhere Fachschulen. Profil stärken, Qualität sichern, Attraktivität steigern", befinden wir uns im Bereich des dualen Bildungssystems. Die Motion will, dass die rechtlichen Grundlagen so angepasst werden, dass die höheren Fachschulen mit eidgenössisch anerkannten Bildungsgängen und den entsprechenden Abschlüssen national und international im dualen schweizerischen Berufsbildungssystem positioniert werden können.
Es gilt zunächst einmal darauf hinzuweisen, dass die höheren Fachschulen hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte hervorbringen. Damit sind sie eine unverzichtbare Kaderschmiede der Schweizer Wirtschaft. Sie gehören zur Tertiärstufe des schweizerischen Bildungssystems, sind also im Tertiär-B-Bereich auf derselben Ebene wie im Tertiär-A-Bereich die Universitäten. Es ist die Besonderheit dieser höheren Fachschulen, dass ihre Bildungsgänge und Nachdiplomstudien von der Wirtschaft mitgestaltet werden und dass sie sowohl Theorie wie auch Praxis umfassen. Pro Jahr erlangen rund 8500 Absolventinnen und Absolventen einen Abschluss eines Bildungsganges, rund 1400 Absolventinnen und Absolventen durchlaufen ein Nachdiplomstudium.
Bei dieser Ausgangslage gibt es nun zwei grundsätzliche Probleme. Problembereich Nummer eins ist die Positionierung der Fachschulen. Die Bezeichnung "höhere Fachschule" ist nicht geschützt. Die Diplome der höheren Fachschulen werden nicht mit dem Zusatz "eidgenössisch" versehen und ebenso wenig vom Bund unterzeichnet. Der zweite Problembereich ist derjenige des Status. Es ist problematisch, dass wir eine Wettbewerbssituation haben, die verzerrt ist. Mon collègue a dit: "une concurrence déloyale". Denn grundsätzlich können sich alle Bildungsanbieter mit dem Titel "höhere Fachschule" verkaufen. Nicht alle weisen aber die dazu erforderliche Qualität auf, und nicht alle führen dann eben namentlich zu einem eidgenössischen Abschluss.
Wenn wir im dualen Bildungssystem sind und wenn wir über die bessere Positionierung der höheren Fachschulen in unserem Bildungssystem sprechen, dann geht es ausdrücklich nicht darum, dass mit dieser Motion Mehrkosten generiert werden sollen und mehr Geld eingefordert werden soll. Diese Problematik haben wir in der BFI-Botschaft abgedeckt. Es geht ausschliesslich darum, die höheren Fachschulen so zu positionieren, dass sie im dualen Bildungssystem, wie ich gesagt habe, als Kaderschmiede der Wirtschaft wahrgenommen werden. Jede Massnahme, die wir in diesem Bildungssystem beschliessen, muss sich an der Frage orientieren, ob sie die Arbeitsmarktfähigkeit verbessert, weil die ganze Berufsbildung inklusive der höheren Berufsbildung auf die Arbeitsmarktfähigkeit ausgerichtet und mithin auch ein wichtiger Grund dafür ist, dass wir eine tiefe Arbeitslosenrate und auch eine tiefe Jugendarbeitslosenrate haben.
Es gibt eine gleichlautende Motion Fetz (18.3240) im Ständerat, die wir im Winter zu behandeln haben werden. Sie ist noch etwas ausführlicher als das, was die WBK-NR vorschlägt.
Der Bundesrat beantragt Ihnen die Annahme dieser Motion, indem er sich bereiterklärt, die höheren Fachschulen mit den eidgenössischen Bildungsgängen und den Nachdiplomstudien hinsichtlich der nationalen und internationalen Positionierung ganzheitlich zu überprüfen und allenfalls notwendige Anpassungen vorzunehmen. Er weist seinerseits darauf hin, dass es bei dieser Überprüfung darum gehen wird, das Qualitätsmerkmal der Arbeitsmarktfähigkeit sicherzustellen.
Die WBK-NR hat die Motion mit 20 zu 0 Stimmen bei 1 Enthaltung angenommen, und ich bitte Sie im Namen der Kommission, dieser Motion mit grossem Mehr zuzustimmen.