Lexipedia

Girod Bastien · Nationalrat · 2019-05-08

Girod Bastien · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2019-05-08

Wortprotokoll

Es geht in diesem Gesetz um diese Arten. (Der Redner zeigt ein Bild mit vier Tierfotos) Die Grünen empfehlen Ihnen zusammen mit dem Luchs, dem Biber, dem Wolf und dem Gänsesäger, dieses Gesetz abzulehnen.

Beginnen wir mit dem Wolf. (Der Redner zeigt ein Foto von drei Wölfen) Mit diesem Gesetz ist der Wolf bereits ab Geburt auf der Abschussliste, denn der Wolf kann nun mal einen gewissen Schaden anrichten, und es ist ja nicht genau definiert, was ein Schaden ist. Ist schon das Reissen eines Rehs ein Schaden? Er steht deshalb mit diesem Gesetz, mit diesem Vorschlag schon von Beginn an auf der Abschussliste.

Mehr noch: Wenn man schaut, wann der Wolf gemäss Ständerat und Kommission abgeschossen werden kann, dann zeigt sich, dass es in diesem Gesetz gar nicht darum geht, den Schaden an den Nutztieren zu reduzieren, denn der Wolf ist ja ein Tier, das im Rudel effizient jagt. Der Wolf jagt die Rehe im Rudel. Wenn man nun aber einen Leitwolf erschiesst, dann zerstört man das Rudel, und man bekommt Einzelwölfe, Wölfe, die die Rehe alleine nicht jagen können und die dann viel eher auf Nutztiere ausweichen.

Wieso hängt dies damit zusammen, wann man die Tiere jagen kann? Wenn man natürlich die Wölfe im Winter zum Abschuss freigibt, kann man wegen des Winterfells nicht wirklich zwischen Jungwölfen und Leitwölfen unterscheiden. An diesem Beispiel zeigt sich auch, dass es in diesem Gesetz gar nicht darum geht, den Schaden zu reduzieren, sondern man verschlimmert die Situation, indem man in ein Rudel reinschiessen kann. Die Rudel sind eigentlich sehr gut für die Schweiz und für den Wald, denn im Wald haben wir eine Überpopulation von Rehen, und im Rudel nimmt sich der Wolf gezielt die Rehe vor. Es ist eher ein Problem, wenn der Wolf allein unterwegs ist, weil er dann nicht die Rehe jagt.

Es geht aber nicht nur um fleischfressende Raubtiere, es geht auch um die ach so bösen Gänsesäger, welche Fische jagen. (Der Redner zeigt ein Foto eines Gänsesägers) Auch sie stehen zur Diskussion, weil man sie auf die Abschussliste setzen will. Ihr einziges Verbrechen ist es, Fische zu jagen. Das ist eine Tierart, die in der Schweiz eine eigene genetische Identität hat. Wenn man also von Biodiversität spricht, geht es auch um genetische Diversität, und hier haben wir so eine Art - nicht das Männchen, das Männchen macht es mit allen. Das Weibchen aber ist wählerischer und hat in den Alpen eine eigene Identität entwickelt. Das ist auch für die Vielfalt dieser Art wichtig, und das ist doch auch etwas Schönes. Ich finde, da braucht es auch etwas mehr Faszination für diese Tiere, statt einfach über Abschusslisten zu sprechen.

Das gilt sogar für Tiere wie den Biber. (Der Redner zeigt ein Foto eines Bibers) Sie tun keinem anderen Fisch oder keinem anderen Tier etwas zuleide - okay, die Bäume sind zum Teil etwas in Mitleidenschaft gezogen, wenn der Biber vorbeigekommen ist, aber wir haben Freude, dass wir nun auch in Zürich einen solchen Biber haben. Auch der Biber soll auf der Abschussliste stehen, weil auch er, eine geschützte Art, Schaden anrichten kann. Der Bundesrat könnte den Biber einfach auf die Abschussliste nehmen. Das kann es doch nicht sein, ein so geniales Tier! Wenn wir nur auf den Schaden schauen, ist das Problem auch, dass wir den Nutzen nicht sehen, den dieses Tier bringt. Der Biber ist ein genialer Architekt, ein Landschaftsarchitekt, der kleinste Bäche aufstaut, einen See kreiert, zum Teil im Wald. Dann sterben die Bäume dort ab, aber es entsteht eine neue Landschaft, ein neuer See, der für die Natur super wertvoll ist, auch in der Schweiz. Das übt doch Faszination aus! Es ist nicht einmal vom Kosten-Nutzen-Verhältnis dieser Tiere die Rede. In Zürich haben wir etwas Schaden an den Bäumen, aber auch grosse Freude an diesem Tier: Es ist immer wieder in den Schlagzeilen, jeder will es gesehen haben. Ich finde, man sollte auch mehr über die Freude sprechen.

Zurück zu den Raubtieren: Wir haben ja auch noch den Luchs, der auch auf die Abschussliste soll. (Der Redner zeigt ein Foto eines Luchses) Der Luchs ist das ideale Raubtier. Er mag keine Schafe und auch keine Menschen; es gibt kaum Vorfälle mit Menschen. Er frisst sogar andere Raubtiere, zum Teil Füchse - endlich jemand, der diese Füchse frisst! (Heiterkeit) Auch der Luchs soll auf die Abschussliste - das kann es doch nicht sein! Was ist denn der Grund? Warum soll der Luchs jetzt plötzlich auf die Abschussliste? Hier zeigt sich das wahre Interesse: Das grosse Verbrechen des Luchses ist, dass er sehr effizient Rehe jagt. Das ist im Interesse unseres Schutzwaldes, der sich wieder verjüngen kann, weil die Rehe nicht alles abknabbern. Der Luchs jagt also sehr gut. Er macht es so gut, dass gewisse Jäger vielleicht etwas weniger Rehe vor die Flinte bekommen. Das kann doch aber kein Grund sein, ein geschütztes Tier zu erledigen. [PAGE 674]

Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie sich etwas faszinieren, zeigen Sie etwas Respekt vor diesen Tieren. Wir haben ihnen sehr viel Lebensraum weggenommen. Wir leben in der Schweiz - mit Ausnahme des Mittellandes - nicht in einem dichtbesiedelten Land, und wir haben grosse Teile, die sehr offen sind und diesen Arten sehr viel Natur und Platz bieten.

Wenn wir in diesem Sinne beginnen, die Raubtiere abzuschiessen: Wie können wir dann von anderen Ländern verlangen, dass sie ihre Raubtiere nicht abschiessen? Das, was wir hier machen, geht in Richtung einer raubtierfreien Welt. Damit bringen wir die Natur einmal mehr aus dem Gleichgewicht und reduzieren einmal mehr die Biodiversität auf diesem Planeten. Das ist die falsche Richtung; das ist falsch.

Ich bitte Sie, mindestens den Rückweisungsantrag zu unterstützen.