Candinas Martin · Nationalrat · 2019-06-04
Candinas Martin · Nationalrat · Graubünden · CVP-Fraktion · 2019-06-04
Wortprotokoll
Gut 100[NB]000 Personen arbeiten für den öffentlichen Verkehr der Schweiz und stellen so 20 Prozent der Mobilität im Personenverkehr und 43 Prozent des Güterverkehrs des Landes bereit. Insgesamt 250 Transportunternehmen bedienen 25[NB]000 Haltepunkte. Der öffentliche Verkehr ist eine Erfolgsgeschichte in der Schweiz. Dies gilt für den öffentlichen Verkehr auf der Strasse, in der Luft, auf dem Wasser und natürlich auf der Schiene.
Schweizerinnen und Schweizer sind nämlich Europameister im Bahnfahren. Gemäss der Eurostat-Eisenbahnstatistik fährt man nirgends in Europa häufiger und weiter mit der Bahn als in der Schweiz. Durchschnittlich 72-mal pro Jahr fährt jede Person in der Schweiz mit der Bahn. Damit wird in der Schweiz rund doppelt so oft Bahn gefahren wie in den übrigen Ländern der Top Fünf. Vergleicht man die mit der Bahn zurückgelegte Distanz pro Einwohner, reicht es der Schweiz mit 2463 Kilometern pro Einwohner und Jahr ebenfalls zum Europameistertitel.
Aus Sicht einer nachhaltigen Klimapolitik ist diese Entwicklung höchst erfreulich. Der öffentliche Verkehr ist nämlich bereits heute sehr klimafreundlich und energieeffizient: Der Anteil des öffentlichen Verkehrs am CO2-Ausstoss des Verkehrs in der Schweiz beträgt insgesamt 4,0 Prozent, bei der Bahn sind es nur 0,2 Prozent. Somit ist die Bahn neben dem Velo- und Fussverkehr das klimafreundlichste Verkehrsmittel. Eine Bahnreise verursacht 27-mal weniger CO2 als eine vergleichbare Fahrt im Auto und bedarf 6-mal weniger Energie. Auch ein Elektroauto erzeugt immer noch 13-mal mehr CO2 als die Bahn!
Wir dürfen in der Schweiz zu Recht stolz sein auf die Leistungen und Angebote im öffentlichen Verkehr. Für die CVP-Fraktion ist es zentral, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Die Nachfrage nach Mobilitätsleistungen steigt weiter an. So ist es für die CVP-Fraktion klar, dass das Angebot ausgebaut werden muss, damit dieses mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann.
Der CVP-Fraktion war auch der Ausbau der Bahninfrastruktur für den Güterverkehr ein grosses Anliegen. Durch zusätzliche Kapazitäten und kürzere Fahrzeiten kann die Attraktivität sowohl auf der West-Ost- als auf der Nord-Süd-Achse erhöht werden. Zusammen mit dem Ausbau und der besseren Einbindung von Verladeanlagen verbessern diese Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit des Güterverkehrs auf der Schiene erheblich. Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene findet nämlich nur dann statt, wenn die Transporte mit der Bahn schnell, einfach und zuverlässig erfolgen. Dafür braucht es in erster Linie genügend Kapazitäten.
Die CVP-Fraktion unterstützt einstimmig den nun vorliegenden Ausbauschritt 2035. Dieser bringt schweizweit mehr Kapazität, was die prognostizierten Überlasten abbaut und attraktivere Angebote sowie neue Viertel- und Halbstundentakte ermöglicht. Die Erreichbarkeit der Tourismusregionen wird verbessert und die Grundversorgung des ländlichen Raums sichergestellt. Gerade dies zeichnet den öffentlichen Verkehr der Schweiz aus. Es braucht nicht nur ein umfassendes Netz im Bereich des Fernverkehrs, sondern auch Investitionen in den Regionalverkehr. Weil dies beim vorliegenden Bahnausbauschritt der Fall ist, stehen sämtliche Unternehmen des öffentlichen Verkehrs voll und ganz hinter der Vorlage.
Da Eintreten nicht bestritten ist, spreche ich namens der CVP-Fraktion noch kurz zu den Minderheitsanträgen I (Fluri) und II (Fluri) zu Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe c. Es geht hier um die Aufnahme der Bahnhöfe Winterthur-Grüze Nord und Thun Nord mit einem Investitionsvolumen von 69 Millionen Franken. Die CVP-Fraktion unterstützt die Aufnahme dieser Bahnhöfe.
Ich möchte besonders den Bahnhof Winterthur-Grüze Nord erwähnen. Im Schreiben der Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs an die Kommission wurde festgehalten, dass der Bahnhof Winterthur-Grüze Nord ein äusserst gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis hat. Gemäss Bundesamt für Verkehr belegt Winterthur-Grüze Nord bezüglich Kosten-Nutzen-Verhältnis Rang 2 aller rund 80 beantragten Haltestellenprojekte. Der neue Stadtbahnhof ist zentral für die Entwicklung, Verdichtung und Erschliessung der sechstgrössten Schweizer Stadt. So ist es wenig verständlich, dass die Aufnahme des Bahnhofs erst im nächsten Ausbauschritt erfolgen soll, mit dem Risiko, dass der Bahnhof nicht gleichzeitig mit dem Brüttener Tunnel fertiggestellt werden könnte. Mit der Aufnahme des Bahnhofs Winterthur-Grüze Nord können wir die zeitliche Kongruenz der beiden Projekte sicherstellen.
Namens der einstimmigen CVP-Fraktion bitte ich Sie, auf die Vorlage einzutreten und der Kommissionsmehrheit zu folgen.