Martullo-Blocher Magdalena · Nationalrat · 2019-06-11
Martullo-Blocher Magdalena · Nationalrat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2019-06-11
Wortprotokoll
Alle vier Jahre ist die Finanzierung der Standortförderung zu beantragen, dieses Mal für die Jahre 2020 bis 2023. Der Tourismus ist in der Schweiz eine äusserst wichtige Branche. Mit einem Umsatz in der Höhe von 46 Milliarden Franken pro Jahr repräsentiert er die fünftgrösste Exportbranche. Der Tourismus ist im Vergleich zu anderen Branchen speziell wertschöpfungsintensiv und bietet über 260[NB]000 direkte Arbeitsplätze in 35[NB]000 kleinen und mittleren Betrieben. Zwei von drei Franken, welche die Gäste in der Schweiz ausgeben, fliessen in verwandte Branchen, z. B. in die Uhren-, Bekleidungs- und Lebensmittelbranchen, in die Kultur oder in den öffentlichen Verkehr. Der Tourismus bringt Wohlstand und Arbeitsplätze in vielfältiger Weise und in der ganzen Schweiz.
Besondere Bedeutung kommt dem Tourismus aber im ländlichen und alpinen Raum zu: Meine Untersuchungen im Kanton Graubünden, dem grössten Tourismuskanton der [PAGE 964] Schweiz, haben gezeigt, dass dort rund die Hälfte der Arbeitsplätze direkt oder indirekt am Tourismus hängt. Gerade Berg- und Randregionen haben meist keine Möglichkeiten, um die Besiedlung von abgelegenen Tälern und die Bewirtschaftung von Alpweiden beizubehalten. Die im Tourismus übliche und dem Schweizer Tourismusbild entsprechende kleinbetriebliche Struktur verhindert, dass einzelne Betriebe oder Regionen die heute international notwendigen massiven Werbeaufwendungen alleine tätigen können. Die Werbung um Touristen, vor allem in den grossen Fernmärkten, braucht länderbezogene Imagekampagnen. Gerade in den sich entwickelnden asiatischen Märkten ist dafür eine langfristige Aufbauarbeit nötig. Das Bild einer einzigartigen und hochwertigen Destination, die man einfach besucht haben muss, ist im vielumkämpften Tourismusmarkt nicht ohne Mittel und nur mit einer zentralen Vermarktungsorganisation zu erreichen.
Der Schwerpunkt des heute zu behandelnden Pakets liegt bei der Tourismusförderung, insbesondere bei der Finanzierung von Schweiz Tourismus als zentrale Vermarktungsorganisation des Schweizer Tourismus. Inhalt und Stossrichtung sollen in bewährten Programmen weitergeführt werden.
Das für jedes Schweizer Exportunternehmen überlebenskritische hohe Lohn- und Preisniveau der Schweiz wirkt sich im Tourismus mit seiner hohen inländischen Wertschöpfung besonders gravierend aus. So hat die Branche seit der Finanzkrise knapp die Hälfte der Logiernächte verloren, und die heutigen Margen erreichen nur noch 80 Prozent der Margen vor zehn Jahren. Die im Vergleich zu den Nachbarländern hohen Schweizer Arbeits- und Lebensmittelkosten dämpfen das angestrebte Wachstum. Dies ruft nach einer intensiven Vermarktung. So hat sich auch in der Tourismusvermarktung mit Schweiz Tourismus eine gemeinsame Finanzierungsform der Branchenorganisationen einerseits und der öffentlichen Hand andererseits bewährt.
Vom Erfolg dieser Vermarktung profitieren wir in den übrigen Exportbranchen ebenfalls. Wenn jeder Chinese, sogar in der abgelegensten Provinz, beim Namen "Schweiz" sofort von Bergen, Seen und sauberer Luft zu schwärmen beginnt und mit glänzenden Augen den Wunsch äussert, wenigstens einmal in seinem Leben in die Schweiz zu reisen, ist das Geschäften für uns Schweizer Firmen mit unseren Schweizer Produkten und als hochqualitative Schweizer Arbeitgeber ebenfalls einfacher. Wenn unsere Kinder dank der Schneesport-Initiative und trotz zunehmender Haftungs- und Finanzierungsherausforderungen mindestens einmal in ihrer Schulzeit einfach und gut organisiert ein Schneesportlager erleben können, sorgen wir damit nicht nur für wertvolle Naturerlebnisse, sondern auch für den Zusammenhalt zwischen Stadt und Land in der Zukunft.
Der Tourismus in der Schweiz hat in unseren Alpen eine über hundertjährige Tradition. Mit der Standortförderung 2020-2023 stellen wir ihm die nötige Grundlage auch in Zukunft zur Verfügung und halten zudem die Branche international fit. Die SVP-Fraktion unterstützt deshalb die Vorlage und natürlich auch das Eintreten.