Lexipedia

Marti Samira · Nationalrat · 2019-06-13

Marti Samira · Nationalrat · Basel-Landschaft · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-06-13

Wortprotokoll

Maharashtra, Indien, 2017: Hunderte Landarbeiter werden vergiftet, als sie auf Baumwollfeldern Pestizide versprühen, sechzig von ihnen sterben. Mitverantwortlich für die Vergiftungswelle ist das Insektizid Polo, das im Wallis, in der Schweiz, von Syngenta produziert wird und in unserem Land zur Verwendung verboten ist.

Brasilien: Im Bundesstaat Mato Grosso erkranken Kinder und Landarbeiter. Der Grund dafür ist, dass das Trinkwasser von Millionen von Brasilianerinnen und Brasilianern mit Pestiziden vergiftet ist. Mitverantwortlich: Syngenta. Zur Erinnerung: 15 von 32 Pestiziden, die der Basler Konzern Syngenta als seine Bestseller präsentiert, stehen heute auf der schwarzen Liste der giftigsten Pestizide.

Peru, Weihnachten 2018: Glencore-Wachmänner bewerfen indigene Bäuerinnen mit Steinen, um sie von ihrem angestammten Land zu vertreiben.

Mopani, Sambia: Jeden Tag ziehen ätzende Schwefeldioxid-Wolken durch die Wohnquartiere neben der Kupferschmelze von Glencore. Bewohnerinnen und Bewohner der Minenstadt schildern, wie giftige Wolken durch ihre Wohnquartiere wabern. Gestern Abend hat die "Rundschau" informiert, dass die Luftbelastung ein neues, trauriges Rekordniveau erreicht hat: Der höchste Messwert lag 77-mal so hoch wie der Richtwert der WHO.

All diese Beispiele zeigen: Es gibt ein Problem mit Menschenrechtsverletzungen in diesem Land und auf dieser Welt, welche von Konzernen mit Sitz in der Schweiz verursacht werden. Eine kleine Minderheit von Konzernen hält sich nicht an die Regeln, die unsere Weltgemeinschaft abgemacht hat, denn die meisten Unternehmen verhalten sich bereits heute verantwortungsvoll. Umso wichtiger ist es, dass auch die wenigen grossen, multinationalen Konzerne wie Syngenta und Glencore das tun. Denn eines ist klar: Wir haben auch in der Schweiz eine Verantwortung dafür, wie und was diese Konzerne weltweit geschäften, und gerade wenn wir Anstand, wenn wir Verantwortung und die Menschenrechte in diesem Land so gerne hochhalten, so sollten wir dies auch für das weltweite Handeln der hiesigen Firmen einfordern.

Was wir heute diskutieren, ist eine Selbstverständlichkeit. Kein Mensch ausserhalb der Wirtschaftslobby und der grossen Konzernsitze kann verstehen, wie man sich gegen diesen Vorschlag wehren kann - und selbst da ist ja eine erfreuliche Einsicht gereift: Es gibt schon über 120 Unternehmen, welche sich für die Initiative engagieren.

Ich fordere Sie damit auf: Unterstützen Sie die Initiative! Denn falls es zu einer Volksabstimmung kommt, wird die Stimmbevölkerung über eine Selbstverständlichkeit entscheiden können, nämlich darüber, ob man anständig wirtschaftet und für selbstverursachte Schäden geradesteht; im Volksmund nennen wir das Anstand. Vielen Dank!