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Seiler Graf Priska · Nationalrat · 2019-09-11

Seiler Graf Priska · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-09-11

Wortprotokoll

Bei der Geburt unserer ersten zwei Kinder hatten mein Mann und ich Glück: So, wie es sich für Kinder eines Lehrer-Ehepaars gehört, kamen sie kurz vor den Herbstferien und in den Sommerferien auf die Welt, ein [PAGE 1460] perfektes Timing. Aber um Glück sollte es beim Thema Vaterschaftsurlaub nun wirklich nicht gehen.

Eigentlich kann ich es kaum glauben, dass wir heute tatsächlich über die Einführung eines 4- oder sogar nur 2-wöchigen Vaterschaftsurlaubs diskutieren. Das ist doch wirklich eine Selbstverständlichkeit und in allen anderen[NB]europäischen Ländern schon lange Realität.

Eigentlich ist der Vaterschaftsurlaub per se bereits gnadenlos überholt, bevor wir uns auch nur durchringen können, einen solchen einzuführen. Heute, wir haben es auch schon gehört, diskutiert man über eine Elternzeit, denn nur eine Elternzeit ermöglicht eine wirklich gleichberechtigte Aufgabenteilung zwischen den Elternteilen bezüglich Haus- und Erziehungsarbeit. Traditionelle Rollenmuster können so hinterfragt und neu definiert werden. Der Entscheid, wer nach der Elternzeit welchen Anteil an der Erwerbs- und Betreuungsarbeit übernimmt, basiert sodann auf echten und wertvollen Erfahrungen und ist ein wichtiger Beitrag zur tatsächlichen Gleichstellung. Das ist auch einer der Gründe, warum die SP im Kanton Zürich am Samstag ihre Elternzeit-Initiative lancieren wird.

Die Hälfte der OECD-Länder gewährt übrigens einen Mutterschaftsurlaub oder Elternzeit von mindestens 43 Wochen. In Anbetracht dieser Tatsache scheint es doch relativ absurd, wenn wir hier in der Schweiz ernsthaft über 2 oder 4 Wochen Vaterschaftsurlaub diskutieren. Aber eben, es ist nun halt so - also tun wir es.

Ich gehe nicht davon aus, dass es hier drin noch ernsthaft umstritten ist, wie wichtig der Vater nach der Geburt des Kindes ist und wie positiv sich die stärkere Beteiligung der Väter an der Betreuung auf die kognitive und emotionale Entwicklung des Kindes auswirkt. Dazu gibt es viele Studien aus zahlreichen Ländern.

Die Fragen, die sich hier offenbar stellen, sind folgende: Ist der Vaterschaftsurlaub Aufgabe des Staates, und können wir uns diesen überhaupt leisten? Beide Fragen können getrost mit einem überzeugten Ja beantwortet werden.

Laut einer Erhebung von Travail Suisse sind gerade Grossunternehmen grosszügig bezüglich Vaterschaftsurlaub. Google gibt Vätern 60 Tage frei, Volvo sogar 120 Tage. Auch öffentliche Arbeitgeber bieten oft deutlich mehr als das gesetzliche Minimum; die Mehrheit der Kantone gewährt übrigens 5 bis 10 Tage Vaterschaftsurlaub. Es geht also, und das hat nicht nur mit reiner Menschenliebe zu tun, denn Vater- und Mutterschaftsurlaub - und vor allem natürlich eine gemeinsame Elternzeit - wirken sich positiv auf das Unternehmen aus. Die Produktivität und die Arbeitsplatzmoral steigen und darum folglich auch der Umsatz. Familienfreundlichkeit trägt viel zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden bei und senkt dadurch auch die Personalfluktuationsrate. Das zahlt sich dann schlussendlich auch für das Unternehmen finanziell wieder aus.

Ein mehrwöchiger Vaterschaftsurlaub macht also Sinn und lässt sich mit der vorgeschlagenen Lösung auch finanzieren. Damit der Vaterschaftsurlaub aber nicht ein Privileg von Angestellten von grossen Unternehmen und der öffentlichen Hand bleibt, braucht es nun zwingend eine gesetzliche Lösung. Vaterschaftsurlaub für alle statt für wenige: ein erster Schritt Richtung Elternzeit. Der zweite Schritt, nämlich eine genügend lange Elternzeit, muss dann aber auch folgen.

In diesem Sinne unterstütze ich die Volksinitiative und den indirekten Gegenvorschlag sowie sämtliche Minderheiten.