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Fässler Daniel · Ständerat · 2019-12-05

Fässler Daniel · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2019-12-05

Wortprotokoll

Vorweg meine Interessenbindung: Ich bin ein kleiner Waldeigentümer - klein mit Blick auf die Waldfläche -, ich bin in einem Sägewerk aufgewachsen, und ich bin insbesondere Präsident von Wald Schweiz, des Verbandes der schweizerischen Waldeigentümer. Ich bedanke mich, Frau Bundesrätin, vorweg für die Beantwortung meiner Fragen.

Ich thematisiere mit meiner Interpellation eigentlich etwas Schönes, etwas Positives, aber leider auch etwas, das seit einigen Jahren mit grossen Problemen zu kämpfen hat. Die Rede ist von Holz aus unseren Wäldern - von Schweizer Holz. Holz ist neben Wasser der Rohstoff der Schweiz, ein Rohstoff, der nachwächst, ein Rohstoff, den wir in der Schweiz seit Menschengedenken nachhaltig zu nutzen versuchen - in früheren Zeiten gestützt auf kommunale und kantonale Regelungen, seit dem Erlass des ersten eidgenössischen Forstpolizeigesetzes von 1876 gesamtschweizerisch.

Die gesamte Wald- und Holzwirtschaft bietet mehr als 100[NB]000 Arbeitsstellen. Der Wald belegt rund einen Drittel der Landesfläche. Die Schweizer Wälder sind daher als Trinkwasserspeicher unverzichtbar. Die über 500 Millionen Bäume in der Schweiz kühlen über die Verdunstung von Wasser die Luft und sind damit die wohl beste Klimaanlage. Die Wälder dienen der Erholung der Menschen und dem Erhalt der Biodiversität. Global betrachtet, sind die Wälder wegen der Abholzung eine CO2-Quelle. Im Schweizer Wald sind heute rund 550 Millionen Tonnen CO2 gebunden. Jedes Jahr kommen über 2 Millionen Tonnen dazu. Damit werden immerhin 5,8 Prozent des gesamten inländischen CO2-Ausstosses der Schweiz direkt, auf natürliche Weise kompensiert. Werden fossile Brennstoffe durch Holz ersetzt, wird der CO2-Ausstoss reduziert. Wird Holz verbaut, wird das im Holz gespeicherte Kohlendioxid dauerhaft weggesperrt.

So weit, so gut, aber von all diesen wertvollen gemeinwirtschaftlichen Leistungen haben die Waldeigentümer - das galt vor allem in den letzten Jahren - wenig bis nichts. Das ist nicht ganz neu, doch dem Wald und seinen Eigentümern geht es aktuell noch schlechter als vor einigen Jahren. In vielen Wäldern, vor allem im Mittelland, herrscht nach den Hitzeperioden der letzten Jahre, die dem Wald vielerorts massiv zugesetzt haben, der Ausnahmezustand. Weil der Verkaufserlös in der Mehrheit der Fälle die Erntekosten nicht mehr zu decken vermag, ist Handeln angesagt. Das ist der Hintergrund meiner Interpellation.

Mit den Antworten des Bundesrates bin ich in der Stossrichtung einverstanden. Die Antworten zeigen, dass sich der Bundesrat der Problematik bewusst ist und auch gewillt ist, griffigere Massnahmen zu prüfen. Ich habe mir allerdings zum Teil etwas konkretere Zusagen gewünscht. Ich unterstreiche dies mit einigen Hinweisen.

In den Schweizer Wäldern wachsen jedes Jahr rund 10 Millionen Kubikmeter Holz nach. Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Umwelt von 2011 ist diese Menge bei starker Nachfrage nachhaltig nutzbar. Doch davon sind wir weit entfernt. Obwohl 2018 die Holznutzung wegen Borkenkäfern, Trockenheit und Stürmen im Vergleich zum Vorjahr deutlich stieg, wurden nur gut 5 Millionen Kubikmeter Holz geerntet - das ist rund die Hälfte der nachhaltig nutzbaren Holzmenge -, und dies, obwohl der Holzbau in der Schweiz boomt. Der Grund für diese Diskrepanz ist, dass weit mehr als die Hälfte des in der Schweiz genutzten Holzes aus dem Ausland importiert wird. Es muss daher festgestellt werden, dass das vom Bund in der Waldpolitik 2020 formulierte Ziel, das nachhaltig nutzbare Holznutzungspotenzial auszuschöpfen, bei Weitem nicht erreicht wird.

Vor diesem Hintergrund befriedigen mich die Antworten auf die Fragen 1 bis 3 nicht ganz. Meines Erachtens sind rasch stärkere Anreize zur Nutzung der Schweizer Wälder konkret zu prüfen und zu schaffen. Ansonsten überaltert der Schweizer Wald noch mehr, was aus ökonomischer und ökologischer Sicht unerwünscht ist.

Für die Umsetzung der erforderlichen Massnahmen zur Stützung der Wald- und Holzwirtschaft genügen die heute zur Verfügung stehenden Ressourcen und Mittel nicht. Ich erwarte daher, dass der Bundesrat im Sinne meiner Frage 7 bereit ist, künftig mehr Ressourcen für die Förderung des Absatzes und der Verwendung von Schweizer Holz zu investieren. Ich habe die Absicht, dies und allenfalls weitere Forderungen mit einer Motion einzubringen.

Sehr geehrte Frau Bundesrätin, ich schliesse meine Ausführungen mit einem nochmaligen Dank für die Beantwortung meiner Fragen, und das mache ich explizit auch mit einem Dank an die Abteilung Wald im Bundesamt für Umwelt. Die gute Unterstützung durch diese Fachleute lässt darauf hoffen, dass es in naher Zukunft doch noch gelingt, spürbare Fortschritte zu erzielen.