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Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2019-12-16

Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2019-12-16

Wortprotokoll

Ich spreche nicht nur als Grüne, sondern auch als Präsidentin der Gewerkschaft VPOD, des Verbandes des Personals öffentlicher Dienste. Wir organisieren Tausende von Pflegepersonen. Diese Pflege-Initiative ist sehr wichtig. Wir stehen vor einem Pflegenotstand. Es ist dringend, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Es braucht endlich genügend in der Schweiz ausgebildete Pflegepersonen mit einem eigenverantwortlichen Bereich und einer guten Abgeltung der Pflegeleistungen mit guten Arbeitsbedingungen. Das ist in der Initiative leider ein wenig unklar formuliert. Umso wichtiger ist der Minderheitsantrag Gysi Barbara im indirekten Gegenentwurf betreffend einen Gesamtarbeitsvertrag, der sozialpartnerschaftlich ausgehandelt werden soll.

Wir bilden zurzeit gerade etwa 60 Prozent des jährlichen Bedarfs an Pflegepersonen aus. Schon heute kommt ein Drittel der Pflegepersonen aus dem Ausland, Pflegepersonen, die dann selbstverständlich in ihren Ländern wiederum fehlen. Wenn wir so weitermachen, werden uns im Jahr 2030 - hören Sie die Zahl! - 65[NB]000 Pflegende fehlen. Fast 50 Prozent der Ausgebildeten steigen wieder aus dem Beruf aus. Das hat ganz stark mit den Arbeitsbedingungen zu tun.

Seit etwa 2010 ist bei den Pflegeberufen quasi eine Nullrunde im Gang. Teilweise haben sich die Arbeitsbedingungen sogar verschlechtert. Bei einem ohnehin tiefen Lohn ist es für viele nicht möglich, 100 Prozent zu arbeiten, weil die Arbeit viel zu streng ist. Die unregelmässige Arbeitszeit verunmöglicht faktisch eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auch wenn fast nur oder sehr viel mehr Frauen in diesem Beruf arbeiten. Sie sind konfrontiert mit einer Zunahme des Stresses und der Bürokratie.

Der Hintergrund dazu ist die Ökonomisierung des Gesundheitswesens und eine fehlende Patientinnen- und Patientenorientierung. Es ist ein völlig verfehltes DRG-System, das eigentlich sofort gestoppt werden müsste. Es ist ein System mit einem absurden Abrechnungssystem, das gar den neuen Beruf des Kodierers oder der Kodiererin kreiert hat - mit totalen Fehlanreizen, bei dem eine Operation rentiert und die Pflege kostet beziehungsweise zu einem Negativsaldo führt.

Der Fakt ist, dass das Pflegepersonal immer weniger Zeit für den Patienten und die Patientin hat, gestresst ist und dann eben aussteigt. Es ist in unserem eigenen Interesse, hier Verbesserungen zu erzielen. Wir werden - so hoffen wir jedenfalls - alle einmal alt und können dann leider auch pflegebedürftig werden. Wir alle werden in unserem Leben einmal die Dienste des Spitals oder der Spitex und damit eben Pflegeleistungen beanspruchen.

Wir müssen - das ist in unserem eigenen Interesse - genügend Pflegepersonal haben. Es soll gut ausgebildet sein, natürlich bei uns in der Schweiz. Die Arbeitsbedingungen sollen gut sein, sodass eine gute Leistung garantiert ist.

Was heisst "gute Leistung"? Es braucht eine gute Pflege und Betreuung inklusive der dafür nötigen Zeit. Das braucht es, damit wir alle eine würdige Pflege haben. Denn wir wissen eigentlich, und das bezeugen alle Studien: 50 Prozent der Heilungschancen hängen damit zusammen, ob wir eine gute Pflege haben oder eben nicht.

Deshalb selbstverständlich Ja zur Initiative, das ist eigentlich das Mindeste, und natürlich dann Ja zum Gegenvorschlag.