Molina Fabian · Nationalrat · 2019-12-17
Molina Fabian · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2019-12-17
Wortprotokoll
Der Handlungsbedarf bei der Pflege scheint mir in diesem Saal, nachdem ich mir die bisherigen Voten angehört habe, weitgehend unbestritten zu sein. Das ist gut so. Nachdem ich mir allerdings einige Voten von bürgerlicher Seite angehört habe, bin ich nicht sicher, wie gross das Problembewusstsein tatsächlich ist. 46 Prozent der Pflegenden verlassen ihren Beruf schon nach wenigen Jahren, nicht etwa, weil sie ihren Beruf nicht mögen, sondern weil in der Pflege oft unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschen: unregelmässige Arbeitszeiten, überlange Tage und Nächte, ein akuter Personalmangel, ein riesiger Druck, zu priorisieren, und das Problem, den Anforderungen wegen der Unterbesetzung doch nicht gerecht werden zu können.
Wenn fast 50 Prozent der Leute ihren Beruf frühzeitig verlassen, dann stimmt etwas nicht; dann geht es um die Arbeitsbedingungen. Alle, die etwas gegen den Pflegenotstand unternehmen wollen, müssen deshalb zwingend mehr Schutz der Löhne und der Arbeitsbedingungen fordern.
Kollegin Barbara Gysi fordert das mit ihrer Minderheit für Gesamtarbeitsverträge bei den Pflegeinstitutionen, nach dem Motto: "Im Minimum en GAV drum!" Nur wenn wir sowohl bei der Aus- und Weiterbildung ansetzen wie auch bei der Bürokratisierung und bei den Arbeitsbedingungen, schaffen wir es, den Pflegeberuf langfristig attraktiver zu machen und diesem für unsere Gesellschaft wichtigen Beruf mehr Anerkennung zu geben.
In diesem Sinne bitte ich Sie, sowohl die Pflege-Initiative und den indirekten Gegenvorschlag als auch die Minderheiten von Mitgliedern meiner Fraktion und die Minderheit Ammann zu unterstützen, um dem Pflegenotstand, der bereits heute herrscht, Abhilfe zu schaffen und die Pflege aufzuwerten.