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Moret Isabelle · Nationalrat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion · 2020-03-02

Wortprotokoll

Leider müssen wir die Session mit einem Nachruf beginnen. Wir gedenken heute des ehemaligen Nationalratspräsidenten Martin Bundi, der am 1. Januar im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Eine Delegation des Nationalratspräsidiums nahm am 6. Januar am Trauergottesdienst in Chur teil.

Die Bündnerinnen und Bündner wählten Martin Bundi 1975 in den Nationalrat. Dabei holte der Sozialdemokrat nach zwölf Jahren Unterbruch wieder einen Sitz für seine Partei. Bis 1995 war er Mitglied der grossen Kammer und in dieser Zeit in Graubünden auch das eigentliche Zugpferd der SP. Der promovierte Historiker und fünffache Familienvater unterrichtete von 1965 bis 1997 am Lehrerseminar in Chur, wo er während zehn Jahren Vizedirektor war. Daneben war er auch in der Forschung tätig und verfasste zahlreiche, viel beachtete Arbeiten zur Geschichte des Kantons Graubünden und des rhätischen Alpenraums. [PAGE 2]

In seiner Zeit als Nationalrat engagierte sich Martin Bundi in über neunzig Ad-hoc-Kommissionen und in mehreren ständigen Kommissionen, wie der Kommission für Wissenschaft und Forschung, der Militärkommission und der Kommission für auswärtige Angelegenheiten, die er alle drei auch präsidierte. Er war ein sehr aktiver Nationalrat und bearbeitete ein breites Themenfeld. Oft war er mit seinen Vorschlägen seiner Zeit voraus, etwa im Bereich der nachhaltigen Umweltpolitik oder bei der Kostenwahrheit im Verkehr.

Martin Bundi, der in Sagogn geboren wurde und aufwuchs, lag die Förderung und der Schutz seiner Muttersprache, des Rätoromanischen, besonders am Herzen. 1985 reichte er eine Motion ein, die eine Revision des Sprachenartikels in der Bundesverfassung verlangte. Elf Jahre später wurde der entsprechend geänderte Verfassungsartikel mit grossem Mehr von Volk und Ständen angenommen.

Wichtig waren ihm neben dem Schutz von Minderheiten auch die soziale Gerechtigkeit, der Schutz der Umwelt, Fragen der Bildung, des Verkehrs, der Einsatz für das Berggebiet und die Friedens- und Aussenpolitik. Mit grosser Dossierkenntnis und seriöser Arbeit setzte er sich engagiert und hartnäckig, stets höflich im Ton, aber konsequent und beharrlich in der Sache, für seine Anliegen ein und konnte so manchen Erfolg verbuchen. Seine aufrichtige, ernsthafte, überlegte und bescheidene Art, seine Integrität und seine Zuverlässigkeit wurden sehr geschätzt. Sein Parteikollege und Jasspartner Otto Stich nannte ihn "das Gewissen der SP-Fraktion".

Die grosse Achtung und Sympathie, die Martin Bundi über alle Parteigrenzen hinweg genoss, zeigte sich auch bei seiner glanzvollen Wahl zum Nationalratspräsidenten im Dezember 1985. Die Debatten leitete er gemäss dem Urteil seines Nachfolgers Jean-Jacques Cevey souverän, mit ruhiger Autorität, wohlwollend und gut vorbereitet. In seiner Abschiedsrede als Ratspräsident erinnerte Martin Bundi an das UNO-Jahr des Friedens 1986. Er regte an, dass sich die Schweiz künftig vermehrt für die Friedenspolitik engagieren und dass auch das Parlament selber eine aktivere Rolle in der Aussenpolitik übernehmen sollte.

Martin Bundi war zehn Jahre lang Präsident der Eidgenössischen Nationalparkkommission; mehrere Jahre präsidierte er die rätoromanische Sprachvereinigung Renania und die Pro Senectute Graubünden. Weiter war er Mitglied des leitenden Ausschusses des Forum Helveticum und des Vorstands der Schweizerischen Helsinki-Vereinigung. Trotz all dieser Engagements blieb Martin Bundi auch Zeit für seine Familie, für den Skilanglauf und das Wandern. Die Bündner Regierung verlieh ihm für seine vielfältigen Arbeiten als Historiker und Kulturpolitiker und für sein Engagement für das Rätoromanische den Bündner Kulturpreis 2013.

Wir werden Martin Bundi als liebenswürdigen, respektierten und weitsichtigen Menschen und Politiker in guter Erinnerung behalten. Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie von Herzen mein tiefstes Beileid aussprechen.

Ich bitte Sie, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, sowie die Besucherinnen und Besucher, die via Internet mit uns verbunden sind, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.[GZ]

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Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen [GZ]

L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt