Wyss Ursula · Nationalrat · 2002-09-30
Wyss Ursula · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-09-30
Wortprotokoll
Viele Jugendliche interessieren sich für einen freiwilligen Einsatz, doch diesem Interesse kann allzu oft nicht entsprochen werden: Angebote, insbesondere qualitativ anspruchsvolle, fehlen fast vollständig. Wenn aber freiwilliges Engagement nicht abgerufen wird, dann nimmt die ganze Gesellschaft Schaden. Die Begegnung mit fremden Sprachen und Kulturen, die Erfahrung mit anderen Lebenswelten, das Gefühl des Gebrauchtwerdens, all das sind Lernerfahrungen, die das Hineinwachsen in unsere Zivilgesellschaft begünstigen. Mehr als je zuvor sind für die heutigen Jugendlichen Schlüsselqualifikationen wie eben genau diese interkulturelle Kompetenz, Sprachen und Erfahrungen mit modernen Informations- und Kommunikationsmedien gefragt. Sie sind Lernziel und Motivation zugleich und mit Blick auf die persönliche Kompetenz ebenso wie hinsichtlich der späteren Berufschancen gefragt.
Dass mein Vorstoss ein wichtiges Anliegen ist, hat einerseits z. B. der Brief von Pro Juventute gezeigt, den Sie schon während der letzten Session - das Geschäft ist ja schon das dritte Mal traktandiert - erhalten haben: Pro Juventute ruft Sie auf, die Freiwilligenarbeit zu unterstützen, vor allem qualitative Massnahmen zu treffen. Sie sehen aber auch, dass zahlreiche Ratsmitglieder die Motion unterschrieben haben, und zwar aus allen Fraktionen. Auch der Bundesrat schreibt in seiner Antwort, dass er das Anliegen unterstütze und dass es auf sein grosses Interesse stosse. Ich möchte aber nicht, dass der Bundesrat nur "klärt und prüft", sondern ich fordere den Bundesrat zum Handeln auf. Denn die Schweiz muss auch nach dem Internationalen Jahr der Freiwilligen beweisen, dass es ihr mit einem qualitativ hochwertigen Angebot an Freiwilligendiensten ernst ist.
Sie kann sich dabei in Europa an einer Reihe von Ländern oder eben auch an der EU selbst orientieren. So bestehen z. B. in Deutschland seit längerem gesetzliche Grundlagen, welche Freiwilligendienste im ökologischen und im sozialen Bereich fördern und die Gleichbehandlung der Freiwilligen gewährleisten. Wichtige Aspekte sind in diesem Zusammenhang - sie wurden auch in anderen Motionen, die wir hier schon früher behandelt haben, bereits thematisiert - die soziale Sicherung, die pädagogische Begleitung sowie die qualifizierende Anerkennung von Freiwilligeneinsätzen. Es geht um eine Investition in die Zukunft, es geht um die Verbesserung der darniederliegenden Generationengerechtigkeit; keineswegs aber geht es darum, unter dem Druck knapper Finanzen der jugendlichen Generation jetzt zusätzlich zu den Lasten vorhandenen noch neue aufzubürden.
Ich halte an der Form der Motion fest, und ich bitte Sie, insbesondere all jene, die den Vorstoss unterschrieben haben, auch heute dem Anliegen zuzustimmen.