Gutzwiller Felix · Nationalrat · 2002-09-30
Gutzwiller Felix · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-09-30
Wortprotokoll
Ich danke Ihnen, Frau Bundesrätin, für die Stellungnahme zu meiner Motion; es ist mir klar, dass auch Ihnen die Frage der Ernährungserziehung ein Anliegen ist. Die Antworten zeigen, dass auch das zuständige Bundesamt für Gesundheit sehr viel getan hat. Natürlich wären wir an sich froh gewesen, man hätte den Vorstoss als Motion akzeptiert. Sie erinnern sich, dass es bei diesem wichtigen Thema um drei Bereiche geht:
Im ersten Bereich geht es um den schlechten Zustand bezüglich der Finanzierung der Ernährungsinformation in der Schweiz, wo noch immer zu wenig getan wird. Wir haben letzte Woche in diesem Saal einen grosszügigen Fonds für Tabakprävention in der Grössenordnung von rund 20 Millionen Franken beschlossen. Für die Ernährungsinformation geben wir weniger als 1 Million aus, obwohl kein Zweifel besteht, dass Ernährung für die Gesundheit des Menschen ein wichtiges Thema ist. Wir hätten uns hier also etwas kräftigere Worte gewünscht, sehen aber durchaus, dass der Bund seinen Teil beiträgt. Ich möchte einfach meiner Hoffnung Ausdruck geben, dass z. B. die Schweizerische Vereinigung für Ernährung, die einzige landesweit tätige NGO in diesem Bereich, die heute mit weniger als einer halben Million Franken unterstützt wird, in Zukunft wenn möglich - der Text scheint dies zu suggerieren - doch etwas besser unterstützt werden kann.
Auch im zweiten Bereich, im Monitoring, also im Verfolgen der Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung, tut sich einiges, wie die Antwort zeigt. Auch hier, glauben wir, könnte man mehr tun. Beispielsweise fehlt nach wie vor die Angleichung der schweizerischen Erhebungen im Ernährungsbereich an die internationalen Erhebungen. Wir haben nach wie vor keinen Überblick über die zeitliche Entwicklung der [PAGE 1511] Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung. Ich gebe aber gerne zu, dass sich das BAG im Rahmen seiner Möglichkeiten durchaus Mühe gibt.
Zum dritten Punkt, zur Förderung der Ausbildung und Weiterbildung: Wir verstehen gut, dass das nicht der Kompetenzordnung entspricht, dass der Bundesrat weder den eidgenössischen noch den kantonalen Hochschulen dreinreden will. Es ging uns aber darum, darauf hinzuweisen, dass die Weiterbildung und auch die Forschung in der Schweiz nicht auf Rosen gebettet sind.
Ich darf daran erinnern: Wir haben eine einzige Professur für Humanernährung an der ETH. In der ganzen Schweiz eine einzige Professur für Humanernährung! Wir haben allein an der ETHZ fünf Professuren für Tierernährung. Nichts gegen die Tiere und die Bedeutung der Tierernährung, aber wenn wir uns fünf Professuren für Tierernährung leisten, dann ist die Frage erlaubt, weshalb wir nur eine für Menschenernährung haben.
Wir hätten, wie gesagt, die etwas kräftigere Form der Motion vorgezogen. Es steht mir aber fern, an einem Tag wie heute, sehr geehrte Frau Bundesrätin, auf einer Motion zu beharren. Sie haben sich in diesem Bereich sehr eingesetzt; ich möchte dafür besonders danken.
Wir sind sicher, das zuständige Amt wird auch mit einem Postulat weiter vorwärts machen. Ich bin in diesem Sinne bereit, ein Postulat zu beantragen, und danke Ihnen für Ihre Unterstützung.