Weichelt-Picard Manuela · Nationalrat · 2020-03-11
Weichelt-Picard Manuela · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2020-03-11
Wortprotokoll
Kurz zu Kollege Rösti: Ganz so dramatisch würde ich das jetzt nicht schildern. Wir hatten die Anträge immerhin gestern Abend in der Kommission.
Unsere Minderheit beantragt Ihnen, bei den zu vergütenden Krankheits- und Behinderungskosten die Beiträge gemäss Nationalrat zu belassen und den Ständerat nicht zu unterstützen. Warum?
Je nach sozioökonomischem Status sind die gesundheitlichen Chancen ungleich verteilt. Die Lebensbedingungen in der Schweiz haben sich zwar in den letzten Jahrzehnten generell verbessert, aber die gesundheitlichen Risiken der unterschiedlichen sozialen Schichten haben sich nicht angeglichen.
Was heisst das nun konkret? Epidemiologische Studien zeigen, dass Personen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status - d. h. mit einer niedrigen Bildung, einem niedrigen beruflichen Status und/oder einem niedrigen Einkommen - überproportional häufig einen schlechten Gesundheitszustand und eine geringere Lebenserwartung haben als Personen mit höherem sozioökonomischen Status. Noch konkreter: Männer aus dem untersten Viertel der Einkommensskala haben eine um etwa zehn Jahre geringere Lebenserwartung als Männer aus dem obersten Viertel; bei Frauen beträgt der Unterschied etwa fünf Jahre.
Ein niedriger sozioökonomischer Status geht mit einer erhöhten Exposition gegenüber Stressoren einher, welche gesundheitliche Reaktionen auslösen und zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen können. Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen dem Risiko, an Bluthochdruck zu leiden, und dem Ausbildungsniveau. Personen ohne nachobligatorischen Schulabschluss leiden häufiger daran. Dies sind nur zwei von vielen Krankheitsbildern. Zahlen und Fakten können Sie unter anderem im Bericht des BAG "Chancengleichheit und Gesundheit" von 2018 nachlesen.
Wir sprechen hier über Personen, die für die Gesellschaft viele Jahre auf dem Bau, als Grabungstechniker gearbeitet haben, die in Detailhandelsgeschäften Gestelle aufgefüllt haben usw. Diese Personen haben oft starke körperliche Beschwerden, kaputte Knie, gravierende Rückenprobleme. Diesen Personen möchte der Ständerat die zu vergütenden Krankheits- und Behinderungskosten von 25[NB]000 auf 5000 Franken bzw. von 50[NB]000 auf 10[NB]000 Franken kürzen. Das ist ethisch nicht vertretbar.
Ich bitte Sie im Namen meiner Minderheit, am Beschluss des Nationalrates festzuhalten.