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Mäder Jörg · Nationalrat · 2020-06-02

Mäder Jörg · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2020-06-02

Wortprotokoll

Gleich vorweg: Ich konsumiere keinen Alkohol - nicht etwa aus gesundheitlichen oder anderen noblen Gründen, ich finde dieses Zeugs schlicht und einfach "gruusig". Mir ist bewusst, dass viele das nicht nachvollziehen und somit auch nicht verstehen können. Aber offen gestanden sind mir das Tamtam, das um diese Substanz gemacht wird, und die Unmengen an Geld, die dafür ausgegeben werden, auch nicht wirklich verständlich.

Die Frage ist: Muss ich diese Liebe zum Alkohol, die viele haben, verstehen, oder reicht es, wenn ich sie akzeptiere? Meine Beobachtung ist, dass die allermeisten, die Alkohol konsumieren, dies primär für den Genuss tun, was für mich kein Problem ist. Mir ist ebenfalls bewusst, dass manche ab und zu auch die berauschende Wirkung von Alkohol erleben wollen. Auch das kann ich akzeptieren, da ich weiss, dass allen klar ist, dass man das nicht während der Arbeit tut und dann auch das Auto zuhause lässt.

Probleme habe ich dann, wenn Alkohol zum Suchtmittel wird und so Körper und Geist zerstört und oft auch noch die ganze Familie mit nach unten zieht. Darum ist es mir wichtig, dass man über diese Substanz aufgeklärt wird, dass es Prävention und Hilfestellungen für Abhängige gibt. Da Minderjährige sehr schnell auf diese Substanz ansprechen, ist der Zugang klar zu regeln. Dass man Qualitätsanforderungen stellt und mit Steuern den Konsum senkt, das passt für mich auch. Zu guter Letzt: Jeder reagiert ein bisschen anders auf Alkohol, aber diese Unterschiede gehören in den Bereich der Eigenverantwortung.

Ich könnte diese Rede bis hierher nochmals halten und einfach "Alkohol" durch "Cannabis" ersetzen - und ich hätte kein Problem damit. Aber viele haben damit ein Problem. Der Hauptgrund ist aber nicht die Substanz an sich, sondern ihre Geschichte in unserer Gesellschaft und das persönliche Wissen oder, besser gesagt, Halbwissen über diese Substanz. Lassen Sie uns das ändern, lassen Sie uns endlich Wissen erarbeiten, statt mit Vorurteilen zu hantieren. Klar, wir gehen mit diesem Gesetz etwas in die Grauzone, aber es ist die Idee von Forschung, Licht ins Dunkel zu bringen. Aber bevor hier die grossen Töne angeschlagen werden - das wurden sie ja bereits -: Zu den Testgruppen zugelassen sind nur Erwachsene, keine Kinder oder minderjährige Jugendliche; zu den Testgruppen zugelassen sind nur bestehende Konsumenten, niemand wird angefixt, und niemand wird zu einem Mehrkonsum aufgefordert. Damit sind die allermeisten Fragen aus dieser Ecke bereits beantwortet.

Wenn Sie sich nochmals meine Einleitung durch den Kopf gehen lassen, erkennen Sie schnell, dass die Minderheitsanträge unsinnig sind. Die ganz grosse Mehrheit der Cannabiskonsumenten weiss, dass man nicht bekifft zur Arbeit geht, und der Rest wird sich sicherlich nicht bei einem staatlichen Versuch anmelden. Übrigens, als mein Vater auf dem Bau in die Lehre ging, war es üblich, dass der Lehrling morgens als Erstes einen Kasten Bier holen ging. Einige von Ihnen können sich an diese Zeiten erinnern. Wir sind alle froh, dass sie vorbei sind. Sie sehen, die Gesellschaft kann ihre Einstellung zu Suchtmitteln ändern, um vernünftig mit ihnen umzugehen. Das Bier am Abend gönne ich Ihnen trotzdem, aber es ist ein Unterschied, ob Sie mit Ihrem Chef über Rotwein schwadronieren dürfen oder ob Sie Ihren Alkoholkonsum offenlegen müssen. Übrigens, wenn ich wählen kann, ob ich neben einem Sturzbetrunkenen oder einem Vollbekifften sitzen muss, ist mir der Kiffer lieber. Kiffer sind in der Regel wesentlich friedlicher und können ihr Essen bei sich behalten. Angenehm sind beide nicht.

Lehnen Sie alle Minderheitsanträge ab. Sie führen zu unnötigen und fraglichen Einschränkungen und würden den Erkenntnisgewinn gefährden. Stimmen Sie dem Gesetz zu, und machen Sie einen Schritt in die richtige Richtung. Ein [PAGE 569] abgeklärter Umgang mit Hasch ist wesentlich ungefährlicher und wesentlich gesünder als das, was wir jetzt haben.