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Strupler Manuel · Nationalrat · 2020-06-03

Strupler Manuel · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-06-03

Wortprotokoll

Mein Minderheitsantrag, den Nachtragskredit für das Darlehen für Fussball und Eishockey von 175 auf 125 Millionen Franken zu reduzieren, ermöglicht es, die nicht rückzahlbaren Finanzhilfen von 50 Millionen Franken für den Breitensport zu kompensieren. Auch wenn ich natürlich als ehemaliger Schwinger voll für den Sport einstehe, macht für mich diese Kürzung bei den Profi-Vereinen zugunsten der Kompensation beim Nachtragskredit für den Breitensport doppelt Sinn.

Ich begrüsse die harten Bedingungen, welche mit den Krediten verknüpft werden. Trotzdem ist es wichtig, die Kredite kritisch zu hinterfragen. So sind gerade die Profi-Vereine im Fussball und Eishockey, die mit ihren teils überbordenden Löhnen und der Fankultur, welche enorme Sicherheitsvorkehrungen bedingt, für den Grossteil ihrer Kosten selber verantwortlich. Erfreulicherweise haben einige Vereine schon verlauten lassen, dass sie auf die Unterstützung des Bundes verzichten und sich selber organisieren werden. Ich wünsche mir auch, dass gerade die Fussballspieler wieder vermehrt schätzen, was für ein Privileg sie haben, nämlich ihren Sport zu betreiben, ihre Leidenschaft auszuleben und damit viel Geld verdienen zu können. Deshalb können sie jetzt in dieser Krise auch auf etwas verzichten und etwas Demut zeigen. Es gibt zahlreiche Sportlerinnen und Sportler in verschiedenen Sportarten, die täglich hart trainieren, sehr erfolgreich sind und trotzdem davon finanziell nicht leben können, geschweige denn schöne Trainingslager in schönen Hotels besuchen können.

Gerade unter diesen Aspekten kann ich nicht verstehen, dass im Profi-Sport andere Regeln gelten sollen als bei den Krediten an Selbstständige und Unternehmer. Einfach gefragt: Weshalb bekommen die Unternehmen nur 10 Prozent ihres Jahresumsatzes als Corona-Kredit, und bei den Profi-Vereinen sollen es 25 Prozent sein? Wo besteht hier der Unterschied zu einem Schausteller, zum Event-Bereich oder zur Hotellerie? Wie soll die einfache Arbeiterin mit 4000 Franken Monatsgehalt, welche wegen Kurzarbeit momentan nur 80 Prozent ihres Lohns bekommt, verstehen, dass wir es hier im Rat richtig finden, mit Steuergeldern die übertriebenen Gehälter der Profis und ihre Trainingslager im Fünfsternehotel zu sichern? Oder, wie es Mattea Meyer in einem Interview richtig gesagt hat: "Für die Pflegerinnen gibt es Applaus, für die Gehälter der Profi-Fussballer hingegen Millionendarlehen." Zumindest von ihr erwarte ich die Unterstützung des Kürzungsantrages.

Ich bitte Sie, mich und die SVP-Fraktion bei diesem Kürzungsantrag zu unterstützen, auch weil er eine Symbolkraft für den Breitensport hat. Denn mit dem Breitensport unterstützen wir viele Organisationen und Vereine, welche gerade auch in schwierigen Zeiten wichtige gesellschaftliche und natürlich auch gesundheitsfördernde Aufgaben übernehmen. Von diesen - von Nachwuchstrainern, Organisationskomitee-Mitgliedern, Präsidenten, Gönnern usw. - wird täglich sehr viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. Sie machen mit ihrem Einsatz die Sportschweiz aus - herzlichen Dank!

Dazu fördern wir mit jedem Schützenfest, Turnfest, Stadtlauf, Orientierungslauf usw. automatisch auch die Event-Branche, die Dorfmetzgerei, die Getränkehändler, die Hotellerie und unzählige mehr. Deshalb zeigen Sie, wenn Sie dem Kürzungsantrag zustimmen, zumindest indirekt symbolisch auch Ihre Wertschätzung für den Breitensport und die vielen freiwilligen Helfer und Helferinnen. Gleichzeitig schonen wir unsere arg gebeutelten Staatsfinanzen und zeigen mit dem Mahnfinger in Richtung des Profi-Sports und der dort zum Teil überbordenden Lohnentwicklung und des dort herrschenden Ausgabenwachstums.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!