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Kuprecht Alex · Ständerat · 2020-06-04

Kuprecht Alex · Ständerat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-06-04

Wortprotokoll

Zuerst zu meiner Interessenbindung: Ich bin Beirat des SC Rapperswil-Jona Lakers, habe sehr engen Kontakt zu diesem Club und habe mir jetzt auch ein bisschen Einblick in diese Situation verschafft. [PAGE 352]

Die in einem Arbeitspapier enthaltenen Bedingungen, die den Clubs auferlegt werden, sind sehr restriktiv. Sie haben das bereits von Kollege Würth gehört, und auch Herr Hegglin hat das jetzt mehrmals gesagt. Es gibt eigentlich zwei bis drei Bereiche, die diese Vereinbarung für den CEO eines Clubs inakzeptabel machen.

Der erste Bereich betrifft die Solidarbürgschaft. Herr Würth hat sehr eindrücklich darauf hingewiesen, was das bedeutet. Die Clubs können völlig seriös haushalten und ihren Verpflichtungen nachkommen. Wenn aber einer der Darlehensnehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommen wird, werden sie solidarbürgschaftsmässig haften müssen. Kein intelligenter CEO würde einen solchen Vertrag eingehen, wie wir ihn übrigens in dieser Form, beispielsweise bei der Hochseeschifffahrt, immer angeprangert haben. Wir haben immer gesagt, dass wir keine Solidarbürgschaft wollen - doch genau das wollen wir jetzt den Vereinen auferlegen! Eine solche Solidarbürgschaft kann zu einem Kartenhauseffekt führen, der sicher nicht gewollt ist.

Des Weiteren ist damit eine Verpflichtung verbunden: Clubs, die ein solches Darlehen beziehen, müssen die Nachwuchsabteilung im bisherigen Umfang weiterführen. Wenn sie beispielsweise 600 Jugendliche mit ihren Haupttrainern haben, bei einem Budget von 1,2 Millionen, müssen sie, wenn zwei grosse Sponsoren dieser Jugendabteilung abspringen, die entsprechenden Ausgaben vom Hauptclub her kompensieren oder die Eltern dieser Jugendlichen stärker zur Kasse bitten. Schliesslich können sie, wenn es möglich ist, vielleicht neue Sponsoren finden. Das ist in der jetzigen Zeit relativ schwierig, und die Gefahr, dass Sponsoren abspringen, ist relativ gross.

Der zweite Bereich betrifft die Einkommen. Herr Würth hat ebenfalls darauf hingewiesen, dass sie innerhalb von drei Jahren um 20 Prozent gekürzt werden müssen. Der Club, dem ich sehr nahe stehe, ist nicht an der Spitze, sondern in der Regel immer am Ende der Tabelle zu finden. Aber ich bin stolz auf diesen Verein, weil dieser Verein nur das an Gehältern bezahlt, was er aufgrund seiner Einnahmen auch finanzieren kann - nicht mehr und nicht weniger. Es gibt junge Profi-Spieler von 20 oder 21 Jahren, die nicht auch Nationalspieler sind und die monatlich ein Salär von 5000 bis 5500 Franken erhalten, was etwa dem Salär eines Lehrabgängers entspricht. Wenn Sie das jetzt noch um 20 Prozent kürzen müssen - gute Nacht! Das Durchschnittsgehalt der um die 30-jährigen Familienväter ist irgendwo zwischen 6500 und 8000 Franken. Auch das ist nicht wahnsinnig viel. Es gibt in der Wirtschaft viele in diesem Alter, die wesentlich mehr verdienen.

Es gibt in der Tat sehr hohe Gehälter von Spitzenspielern - nicht einmal bei den Ausländern, sondern bei Schweizer Spielern. Diese haben ein Gehalt von einer halben Million Franken aufwärts. Dass man bei diesen Spielern im Sinn eines gesunden Sports die Gehälter noch kürzen könnte, dafür habe ich ein gewisses Verständnis - aber nicht, wenn sie einen Durchschnittslohn zwischen 8000 und 9000 Franken haben. Durchschnitt ist ja immer das: Wenn Sie auf einer heissen[NB]Herdplatte sitzen und die Füsse im Kühlschrank[NB]haben, dann geht es Ihnen, durchschnittlich gesehen, gut.

Es gibt weitere Restriktionen: Sie müssen 30 Prozent der Werbeeinnahmen zur Tilgung der Darlehen verwenden. Sie haben dann bereits weniger Geld, das sie für den Spielbetrieb und die Spieler aufwenden können, und müssen zusätzlich 5 Prozent der Werbeeinnahmen generieren und abliefern, um den Sicherheitsfonds zu speisen, der geschaffen werden soll, um den Spielbetrieb während eines halben Jahres aufrechterhalten zu können.

Man kann die Bedingungen auch so hart stellen im Bewusstsein, dass dann das Darlehen mit Sicherheit nicht gebraucht wird. Das ist finanzpolitisch verständlich - dafür habe ich auch Verständnis -, aber sportpolitisch nicht unbedingt das, was man sich eigentlich wünscht. Es geht nicht nur um die ersten Mannschaften mit den teuren Spielern, es geht auch um den Nachwuchsbereich. Das müssen wir uns vor Augen halten. Wenn man Korrekturen macht, muss man mindestens für den Nachwuchsbereich Gelder zur Verfügung stellen.

Es ist auch nicht unbedingt vorteilhaft, wenn Sie während der Fahrt vom Zürichsee nach Bern an die Ligakonferenz die entsprechende Vereinbarung zugespielt bekommen und eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde später der Vereinbarung zustimmen sollten, welche die Verbandsspitze mit dem Bundesamt für Sport vereinbart hat. Diese Vereinbarung ist kein Meisterstück des BASPO. Sie ist ein Schnellschuss und wird zu einem Rohrkrepierer verkommen. Ich bin deshalb der Überzeugung, dass man jetzt dem Einzelantrag Würth folgen sollte und dass das BASPO gemeinsam mit dem EFD vielleicht nochmals mit den Ligen zusammensitzt und ein bisschen mehr Praxis in die Verträge integriert. Was wir jetzt vorliegen haben, ist ein Rohrkrepierer und mit Sicherheit nicht praxisbezogen.

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